Die Jungen sehen es anders

Mehrheit ist gegen Ladenöffnung sonntags

Berlin - Eine große Mehrheit der Bürger will nicht, dass Geschäfte am Sonntag genauso geöffnet haben wie werktags. Auffällig dabei: Je nach Alter variieren demnach die Ergebnisse.

In einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der Tageszeitung „Die Welt“ (Montag) sprachen sich 73 Prozent der Befragten dagegen aus, 25 Prozent wollen eine normale Ladenöffnung auch am Sonntag.

Je nach Alter variieren demnach die Ergebnisse. Je jünger die Befragten seien, umso eher befürworteten sie eine weitere Liberalisierung der Öffnungszeiten. So wünschten sich 40 Prozent der 18- bis 29-Jährigen offene Geschäfte auch am Sonntag. Im Alter zwischen 30 und 44 Jahren seien noch 28 Prozent für den Sonntagseinkauf, in der Gruppe der über 60-Jährigen finden dies nur noch 19 Prozent gut.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sprach sich gegen eine Freigabe der Öffnungszeiten am Sonntag aus: „Staatliche Vorschriften sind ungerechtfertigte Hemmnisse, was die Wochentage betrifft.“ An Sonn- und Feiertagen halte er besondere Rücksichtnahmen für geboten. EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) sagte: „Der Sonntag sollte im Grundsatz kein Arbeitstag und kein verkaufsoffener Tag sein.“ Ein Tag ohne Geschäfts- und Arbeitsleben sei ein „Kulturgut“.

Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) kündigte an, die Ladenöffnung in dem Bundesland einschränken zu wollen: „Am Samstag sollen Geschäfte nur noch bis 22.00 Uhr öffnen können. Auch die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage wollen wir wieder auf ein vernünftiges Maß begrenzen“, sagte Duin. „Es muss genug Zeit geben, zur Ruhe zu kommen. Das ist ein breiter Wunsch in der Gesellschaft.“

Seit 2006 sind die Bundesländer für den Ladenschluss zuständig. In den meisten Ländern ist das Einkaufen seither an den Wochentagen rund um die Uhr möglich, an Sonn- und Feiertagen dagegen bleiben die Ladentüren überall grundsätzlich geschlossen. Meistens sind aber vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr erlaubt, erläutert die Zeitung. In ihrem Auftrag wurden am 18. und 19. Juli 1000 repräsentativ ausgewählte wahlberechtigte Bundesbürger ab 18 Jahren befragt.

dpa

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