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Kamerahersteller Leica wird von der Börse genommen.

Mehrheitseigner will Leica von der Börse nehmen

Solms - Der österreichische Investor Andreas Kaufmann will den weltbekannten Kamerahersteller Leica ganz für sich. Weil er fast alle Anteile am Unternehmen bereits besitzt, kann er die restlichen Aktionäre zwingen, auszusteigen.

In einem sogenannten Squeeze-out sollen deshalb die restlichen 2,44 Prozent der Stimmrechte an der Leica Camera AG an eine Tochter der ACM Projektentwicklung des Salzburger Investors Andreas Kaufmann gehen, wie es in einer Mitteilung vom Freitagabend hieß. ACM hält bereits 97,56 Prozent der Anteile.

Wie viel Geld die Aktionäre bekommen, stand zunächst noch nicht fest. “Eine angemessene, nach dem Gesetz geschuldete Barabfindung werden wir in den kommenden Wochen festlegen“, sagte Kaufmann, der zugleich Vorsitzender des Leica-Aufsichtsrats ist, der Nachrichtenagentur dapd. Das von ACM finanzierte Herauskaufen der Kleinaktionäre solle bis März oder April abgeschlossen sein.

ACM hat die weltberühmte Kameramarke aus dem hessischen Solms in den vergangenen Jahren vom Pleitekandidaten zu einem profitablen Unternehmen gewandelt und seinen Anteil kontinuierlich ausgebaut. Derzeit beschäftigt Leica etwa 1.150 Mitarbeiter und hat für das vergangene Jahr einen zweistelligen Millionengewinn ausgewiesen.

Zwtl.: Blackstone soll nach Komplett-Übernahme einsteigen

Erst Mitte Oktober hatte ACM mit dem US-Finanzinvestor Blackstone vereinbart, dass sich dieser mit 43,9 Prozent an Leica beteiligt. Die Österreicher wollten aber langfristig Mehrheitseigner in Solms bleiben, hieß es damals. Daran habe sich nichts geändert, sagte Kaufmann am Freitag. Noch fehlt für den Blackstone-Einstieg die Genehmigung der Kartellbehörden. Kommt diese, solle das Geschäft aber unabhängig vom Squeeze-out vollzogen werden.

Kaufmann begründete den angestrebten Squeeze-out damit, dass mit der neuen Eigentümerstruktur aus ACM und Blackstone “eine Finanzierung von Leica über den Kapitalmarkt künftig nicht mehr notwendig“ sei. Zudem verringere der Rückzug von der Börse die Kosten im Unternehmen, weil keine Hauptversammlungen mehr einberufen und Quartalsberichte erstellt werden müssten.

Zwtl.: Umsatz soll sich in fünf Jahren verdoppeln

Leica will in den kommenden Jahren kräftig wachsen. So solle sich der Umsatz bis 2016/2017 auf 500 Millionen Euro in etwa verdoppeln, hatte der Vorstandsvorsitzende Alfred Schopf zuletzt angekündigt. Zudem sollten die Produktion ausgebaut und 100 bis 150 neue Jobs geschaffen werden. Dabei ruhen die Hoffnungen auch auf dem angekündigten neuen Minderheitseigner. So solle Blackstone den Hessen den Weg nach Asien ebnen, hieß es bei der Verkündung des Geschäfts.

Schon 2008 hatte ACM versucht, die restlichen Leica-Aktionäre aus dem Unternehmen zu drängen. Der Squeeze-out war damals wegen juristischer Formfehler vor dem Landgericht Frankfurt gescheitert. Dass man den zweiten Anlauf erst jetzt starte, sei den Prioritäten im Unternehmen geschuldet, sagte Kaufmann. “Wir haben viel Geld und alle Energie in den Erhalt der Ertragskraft gesteckt“, sagte er. Die Komplett-Übernahme sei aber “angesichts der Höhe unserer Beteiligung immer eine Option“ geblieben.

dapd

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