Mehrwertsteuer lässt Konsumlust wohl zum letzten Mal ansteigen

- Nürnberg - Der private Konsum wird nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens GfK in diesem Jahr stärker steigen als bisher erwartet. Man habe die Jahresprognose von 0,5 Prozent auf 0,7 Prozent erhöht, teilte die GfK mit. Allerdings scheine die Verbraucherstimmung ihren Höhepunkt erreicht zu haben.

Die wesentlichen Indikatoren deuteten darauf hin, dass es mit dem Konsumklima in diesem Jahr kaum noch weiter aufwärts gehen werde. Der Studie zufolge bleibt die Konsumbereitschaft in Deutschland ungebrochen hoch. Der entsprechende Indikator habe gegenüber dem Rekordmonat Juli nur geringfügig um 1,4 Punkte eingebüßt. Mit 56,1 Punkten sei es der zweithöchste je gemessene Wert. Wesentlicher Motor für das hohe Niveau der Anschaffungsneigung sei die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung.

Dagegen lässt die positive Stimmung hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung zunehmend nach. Der Indikator sank um vier Punkte auf einen Wert von 11,4 Punkten. Es sei aber verfrüht, dies als Zeichen eines bevorstehenden Konjunkturabschwungs zu interpretieren, hieß es. Die Verbraucher rechneten mit höheren Belastungen aus der Mehrwertsteuererhöhung und dem Wegfall steuerlicher Vorteile wie Pendlerpauschale und Steuerfreibetrag.

Auch die Erwartungen an die Entwicklung der eigenen finanziellen Lage sind laut GfK zurückhaltend. Der Indikator stagnierte bei minus 3,8 Punkten. Damit sich das Konsumklima langfristig stabilisiere, sei es notwendig, die Kaufkraft der privaten Haushalte zu stärken. "Basis dafür ist eine deutliche und anhaltende Besserung auf dem Arbeitsmarkt", erklärte die GfK. Zugleich müsse der Reformkurs konsequent weiterverfolgt werden, damit die Bürger das bröckelnde Vertrauen in die Regierung wieder zurückgewännen.

GfK-Chef Klaus Wübbenhorst sprach sich dagegen aus, die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer ab 2007 rückgängig zu machen. Zwar werde die Anhebung von 16 auf 19 Prozent Kaufkraft wegnehmen, sagte er. Dennoch sollte die Bundesregierung daran festhalten. "Andernfalls entsteht bei den Lobbygruppen der Eindruck, dass man nur laut dagegen sein muss, und schon wird eingeknickt."

Auch eine Verteilung der Mehrwertsteuererhöhung auf mehrere Jahre sei nicht der richtige Weg. Die Folge wäre, dass die Verbraucher jahrelang Angst vor versteckten Preiserhöhungen hätten, warnte er. Die zusätzlichen Einnahmen müssten aber konsequent zur Senkung der Lohnnebenkosten eingesetzt werden.

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