Mehrwertsteuer steigt: So handeln Verbraucher jetzt richtig

- Per Gesetz wird die Mehrwertsteuer für Konsumenten zwar erst am 1. Januar 2007 um drei Prozentpunkte erhöht. Viele Unternehmen heben die Preise wohl aber bereits gleich nach der Urlaubszeit an. So lautet etwa das Fazit einer Studie der Managementberatung Sempora.

"Es ist nicht auszuschließen, dass die Preise vorab erhöht werden", sagt auch Marktforscher Rolf Bürkl von der GfK. Dennoch hätten sich viele Verbraucher mit dem Thema noch gar nicht befasst. Nach einer Studie der GfK hatten sich im April rund 40 Prozent der Befragten noch nicht entschieden, ob sie anstehende Käufe vorziehen wollen. Nur 7 Prozent der deutschen Haushalte hatten mit Blick auf die Mehrwertsteuererhöhung bereits Anschaffungen getätigt. Weitere 7 Prozent planten "ganz sicher", vor dem Jahreswechsel zu kaufen.

An erster Stelle stehen dabei Renovierungen, Möbel, Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik und ein neues Auto. Im Herbst allerdings könnte es zu spät sein, diese Ausgaben zu tätigen: "Ich gehe davon aus, dass die Preise für große Geräte jetzt schon erhöht werden", sagt Theo Wolsing von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Damit die Hersteller zum Jahreswechsel sagen können, sie hätten die Preise gehalten, wird es sicher zu vorgezogenen Anhebungen kommen", sagt auch Georg Abel von der Verbraucher Initiative in Berlin.

Die deutschen Brauereien zum Beispiel haben die Steuererhöhung nach Einschätzung des Präsidenten des Deutschen Brauer-Bundes, Richard Weber, bereits vorweggenommen. "Ich glaube nicht, dass unser Bier wesentlich teurer wird, als es jetzt schon ist. Alle deutschen Brauereien haben schon die Preise erhöht", sagte er.

Jürgen Preißmann, zuständig für Verbraucherpreise beim Statistischen Bundesamt, hält ebenfalls steigende Preise noch vor der eigentlichen Steuererhöhung für möglich. Dennoch gibt er Entwarnung: "Auch bei der letzten Mehrwertsteuererhöhung wurde nicht alles komplett auf den Verbraucher umgewälzt." Teilweise hätten die Händler noch Puffer. In den meisten Fällen lasse der Markt einfach keine Preisexplosion zu. Beispiel Möbelhandel: "Man muss sehen, wie man die Kosten anderweitig drücken kann, um die Steuer zu neutralisieren", heißt es etwa beim Möbelgiganten XXXLutz. Daran würden wohl auch alle anderen in der Branche arbeiten, urteilt ein Sprecher.

Für viele Autohersteller dagegen spielt das Thema Mehrwertsteuer kaum eine Rolle. Hier wird in der Regel mit Vorsteuer-Preisen kalkuliert. "Wir müssen ab 1. 1. 2007 die 19 Prozent ausweisen, das sieht der Kunde auch auf der Rechnung. Aber wir werden die Umstellung nicht für zusätzliche Preiserhöhungen nutzen", heißt es bei BMW. Bei Audi verweist man darauf, dass nur 30 Prozent des gesamten Absatzes in Deutschland erzielt werden. Und davon wiederum gehen 75 Prozent an gewerbliche Käufer, die die Mehrwertsteuer über den Vorsteuerabzug neutralisieren können. Es seien "andere Faktoren für die Preisbildung von Bedeutung, der Wettbewerb entscheidet", betont ein Sprecher.

"Der Wettbewerb ist nach wie vor die Messlatte", heißt es auch beim Kaufhaus Hertie am Münchner Hauptbahnhof. Deshalb werde es "nicht ganz einfach sein", die Steuererhöhung an die Käufer weiterzugeben.

Verbraucherschützer Wolsing rät, möglichst schnell einzukaufen, wenn größere Anschaffungen geplant sind. Und wer schon mit dem Hausbau oder einer Modernisierung begonnen hat, sollte möglichst viele Rechnungen noch in diesem Jahr begleichen. Dabei sind nach Worten von Wolsing auch Teilzahlungen bis Ende des Jahres möglich: Und bei Zahlungen vor dem Jahreswechsel sei klar, dass der niedrigere Steuersatz anfällt. Bei der Schlussrechnung sei darauf zu achten, dass je nach dem Zeitpunkt, zu dem die Leistung erbracht wurde, der richtige Steuersatz vom Kunden verlangt wird. Bei Anschaffungen wie Autos oder Computern rät Wolsing, die Lieferfristen zu beachten und gegebenenfalls auf das Kaufdatum zu pochen: "Auch wenn das Auto erst im Februar geliefert wird, muss der Steuersatz vom Kaufdatum im Oktober gelten."

Neben dem Preis sollten Besonderheiten beim Anschaffungstermin beachtet werden. So verspricht der Handel laut dem Branchenverband HDE für die Zeit nach der Sommerpause etwa verstärkte Rabattaktionen. Und eine Besonderheit stellen wohl auch Unterhaltungsgeräte wie Flachbildfernseher und DVD-Festplattenrekorder, die schnell günstiger werden, dar. Hier kann es sich lohnen, mit dem Kauf noch zu warten, sagt Wolsing: "Da gleicht der Verfall der Preise die Mehrwertsteuererhöhung möglicherweise wieder aus."

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