Die meisten Hochwasser-Opfer müssen Schäden selber bezahlen

- München - Die meisten Opfer der Flut-Katastrophe in Bayern werden Schäden an und in ihren Häusern aus eigener Tasche bezahlen müssen. Denn nur die wenigsten sind entsprechend versichert. Dabei schätzen Experten, dass die Wassermassen ähnlich viel kaputtgemacht haben wie bei den Überschwemmungen an Pfingsten 1999.

Privatleute, die Wohngebäude oder Hausrat gegen Hochwasser absichern wollen, müssen eine Elementarschäden-Versicherung abschließen. Aber nur die wenigsten Menschen besitzen eine solche Police: Beim Marktführer Allianz sind es fünf Prozent der bayerischen Kunden, bei der Versicherungskammer Bayern vier. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BKV) geht deswegen davon aus, dass nur drei Prozent der Flut-Geschädigten Geld von einer Versicherung erhalten werden.

Ein Grund für die geringe Versicherungsdichte ist, dass die Assekuranzen Schutz vor Hochwasser in Risikogebieten teilweise gar nicht oder nur gegen hohe Prämien anbieten. Dort, wo statistisch gesehen öfter als alle zehn Jahre ein Fluss über die Ufer tritt, "wird es ganz eng", wie Stephan Schweda, Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gegenüber unserer Zeitung sagte. Etwa sieben Prozent der Wohngebäude in Deutschland seien nicht gegen Hochwasser versicherbar.

Verbraucherschützer vermuten, dass dieser Anteil vor allem seit den massiven Überschwemmungen entlang von Elbe und Oder im Sommer vor drei Jahren zugenommen hat. "In gefährdeten Gebieten brauchen die Anwohner überhaupt nicht mehr nachzufragen", sagt Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Das ist eine Entwicklung, die man seit Jahren beobachten kann."

Auf die Versicherer dürften unter anderem auch deswegen nur relativ geringe Schadenersatz-Ansprüche zukommen. Zwar wagt noch kein Unternehmen, genaue Schätzungen abzugeben. "Das können wir noch nicht absehen", sagte etwa Thomas Bundschuh, Sprecher von der Versicherungskammer Bayern, auf Anfrage. Nach ersten Eindrücken lassen sich die Ausmaße der momentanen Flut aber an denen des Pfingsthochwassers von 1999 messen. Beim weltgrößten Rückversicherungskonzern Münchener Rück heißt es: "Das kann man in etwa vergleichen." Ähnlich äußerte sich ein Sprecher der Allianz in München.

Der gesamte private und betriebliche Schaden belief sich damals nach Angaben des bayerischen Wirtschaftsministerium auf 180 Millionen Euro. Allerdings gibt es auch Schätzungen, die von einer Milliarde Euro ausgehen. Die Versicherungen mussten damals nur für einen relativ geringen Teil geradestehen: Die Allianz überwies ihren Kunden 16 Millionen Euro, der versicherte Schaden insgesamt belief sich laut GDV auf 65 Millionen Euro.

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