Meister von Königs Gnaden

- München - Ein Familienunternehmen im wahrsten Sinne des Wortes ist die Konrad Blamberger Bau- und Werkstattspenglerei GmbH: Konrad Blamberger fährt mit seinem Sohn Konrad Georg und den vier Mitarbeitern noch vor sieben auf die Baustelle, versorgt mit einer ordentlichen Brotzeit von der Ehefrau Margot, die sich dann im Büro um die Verwaltung des Betriebs kümmert. Um 16 Uhr beenden Blamberger Senior und Junior die Arbeit auf Münchens Dächern und es geht heimwärts Richtung Denning. Später trifft man sich zum Abendessen am Küchentisch und redet "übers Geschäft", wie der alleinige geschäftsführende Gesellschafter Konrad Blamberger sagt. Da stößt dann Tochter Margot dazu, derzeit Rechtsanwalts- und Notarsgehilfin, die voraussichtlich später einmal den Posten ihrer Mutter übernehmen wird.

Gegründet wurde die Spenglerei, einer der ältesten Münchner Handwerksbetriebe in Familientradition, im Jahr 1810. Damals erwarben die Eheleute Johann und Maria Obermair das an der Ecke Lederer-/Hochbrückenstraße gelegene ehemalige Wührbad und richteten dort die erste moderne "Spänglerei" Münchens ein. Nur sechs Jahre später ernannte König Maximilian Joseph I. von Bayern Obermair wegen besonderer Verdienste um die Erhaltung königlicher Hofbauten und hervorragender Arbeiten am Neubau des Königlichen Hof- und Nationaltheaters zum ersten und einzigen "königlich Baierischen Hofspänglermeister".

Enkelin Theresia heiratete 1864 den Spenglermeister Georg Blamberger - so wurde die dritte Generation des Unternehmens zur ersten Blamberger-Generation, und irgendwann wird mit dem Junior die fünfte Blamberger-Generation (7. Generation seit Gründung) den alteingesessenen Handwerksbetrieb übernehmen.

"Wir geben unserem Sohn die Zeit, die er braucht", sagt Mutter Margot über Sohn Konrad Georg, "er soll ja auch noch was von seiner Jugend haben." Dass "Konni" sich sehr für das Spenglerhandwerk begeistert, war schon früh abzusehen. "Erst lerne ich Spengler, in die Schule geh ich danach", hat er als Fünfjähriger gesagt. Auch wenn er die Reihenfolge umdrehen musste, seinem Berufswunsch blieb er treu und ist heute mit 21 Jahren nicht nur Spenglermeister, sondern hat auch schon seinen Betriebswirt des Handwerks absolviert.

Bis die Übernahme tatsächlich ansteht, arbeitet der 54-jährige Senior noch auf den Dächern Münchens. "Die Spenglerei ist gleichzeitig mein größtes Hobby", sagt er. Besonders reizen ihn Aufgaben, "die andere nicht machen wollen, weil sie ihnen zu kompliziert sind. Das muss gar nichts Spektakuläres sein, sondern zum Beispiel komplizierte Ecken an Dächern. Da tüftele ich dann, bis ich eine Lösung gefunden habe." Seine Aufträge bekommt Blamberger, der seit einigen Jahren auch als Sachverständiger der Handwerkskammer Gutachten fertigt, etwa jeweils zur Hälfte von privaten und öffentlichen Auftraggebern wie Universitäten, Stadtwerken oder dem Polizeipräsidium. Nur bei dringenden Reparaturen rufen Stammkunden direkt an, ansonsten muss er sich bei Ausschreibungen durchsetzen. "Genommen wird heutzutage leider das billigste Angebot, das ist ja auf lange Sicht nicht immer das Wirtschaftlichste."

Blamberger wendet traditionelle aufwändige Falztechniken an. Er arbeitet "nach den Grundsätzen, die beim ältesten Kupferdach Deutschlands angewendet wurden, dem über 700 Jahre alten Hildesheimer Dom". Dafür benutzt er teilweise Werkzeug, das über 200 Jahre alt ist und in der Familie weitergereicht wurde. Guten Grund hat er dazu. Schließlich entstammt nicht jeder einer Spenglerdynastie, in der ein Vorfahr schon Türme, Gauben und Erker des Schlosses Neuschwanstein mit Kupfer bedachte.

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