Meister: Wie es die Nachbarn halten

- München - Die heftige Debatte um die Lockerung des Meisterzwangs in Deutschland ringt den europäischen Nachbarn wohl eher ein Lächeln ab. Denn mit den strikten Regelungen der deutschen Handwerksordnung, die Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement nun reformieren will, haben andere Länder wenig am Hut.

<P>Österreich<BR>Zwar liefen die Handwerker hier _ wie nun ihre deutschen Kollegen - lange Zeit Sturm gegen die seit August 2002 geltende liberalisierte "Gewerbeordnung". Von einem befürchteten Qualitätsabfall in Kombination mit weniger Ausbildungsplätzen ist heute aber keine Rede mehr. Der Meisterbrief ist auch nach der neuen Ordnung die Regel. Doch einen Betrieb kann nun auch gründen, wer in diesem Handwerk "mehrere Jahre in qualifizierter Stellung" gearbeitet hat. Bereits seit 1997 reicht es für eine Betriebsgründung, einen entsprechend qualifizierten Mitarbeiter anzustellen.</P><P>Frankreich<BR>Angehende Meister werden neben dem Beruf auch in Unternehmensführung geschult. Für den Titel "Handwerker" reicht einem Betriebsinhaber eine sechsjährige Berufsausübung, wenn er nicht Meisterbrief oder Diplom nachweisen kann. Die Qualitätssicherung behalten die 100 Handwerkskammern im Auge.</P><P>Niederlande<BR>Hier sorgen die Berufsverbände seit der Einführung der umfassenden Gewerbefreiheit vor sieben Jahren selbst für Qualitätskontrolle. Daraus resultiert laut Verbraucherschutzbund aber ein "undurchsichtiger Dschungel an Gütesiegeln", mit denen unter anderem Friseure, Glaser und Klempner ihre Marktposition verbessern wollten. In den Niederlanden müssen nur Bäcker, Metzger und Elektrotechniker eine Fachausbildung nachweisen, wenn sie ein eigenes Unternehmen gründen wollen.</P><P>Belgien<BR>In Belgien ist für den Weg in die Selbstständigkeit nur in sieben der 42 geschützten Handwerksberufe zwingend ein Meisterbrief erforderlich. Optiker oder Bestatter zum Beispiel kommen daran nicht vorbei. Dagegen können unter anderem Bäcker, Fliesenleger oder Friseure zumeist schon mit einem Gesellenbrief oder einem Fachabitur ein eigenes Geschäft betreiben. Gefordert ist bei den Belgiern in der Regel jedoch kaufmännisches Grundwissen - teilweise reicht aber auch Erfahrung oder die Einstellung eines kundigen Mitarbeiters.</P><P>Polen<BR>An den Fähigkeiten der Handwerker des Landes scheiden sich die Geister. In manchen Branchen wie der Denkmalpflege gilt die Ausbildung als vorbildlich. Andererseits jammern immer wieder Verbraucher über Pfusch. Zuverlässige Handwerker werden daher eher über den "heißen Tipp" aus dem Bekanntenkreis als durch den Blick ins Branchenverzeichnis ausfindig gemacht. Laut Handwerksverband des künftigen EU-Mitglieds darf jeder ein Unternehmen gründen, der die ausreichende finanzielle Basis und die Einstellung von "Fachleuten" vorweisen kann - das müssen nicht unbedingt Meister sein. Allerdings sind nur noch etwa 40 Prozent der knapp 600 000 Handwerksbetriebe Kammermitglieder. Eine Qualitätskontrolle fällt daher schwer.</P><P>Schweiz<BR>Der Meisterzwang für Selbstständige ist ein Fremdwort. Um einen Qualifikationsnachweis, also eine Art Prüfung, kommen Handwerker aber nicht herum, wenn sie in sicherheitsrelevanten Berufen wie Elektriker arbeiten. Die Prüfungen nach den Kursen nehmen dann die Berufsverbände im Auftrag der Behörden ab.<BR>Nur in sicherheitsrelevanten Berufen gibt es in der Schweiz einen Qualifikationsnachweis.Foto: ddp<BR></P>

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