Menschenkette um Werk von Siemens VDO

- Würzburg - Mit einer Menschenkette um das Werk des Automobilzulieferers Siemens VDO in Würzburg haben weit über tausend Menschen gegen einen geplanten Stellenabbau protestiert. Die Teilnehmer bildeten am Freitag eine rund 1,4 Kilometer lange Schlange rund um das Firmengelände. Auch Oberbürgermeisterin Pia Beckmann (CSU) und Landrat Waldemar Zorn (CSU) schlossen sich an. Siemens kündigte unterdessen an, der Standort solle durch neue und innovative Produkte gestärk werden.

Nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall versammelten sich mehr als 1500 Beschäftigte aus Würzburg und anderen Standorten von Siemens VDO sowie Mitarbeiter anderer Betriebe, Bürger und Vertreter der Katholischen Arbeitnehmerbewegung zu der Kundgebung. Auf Transparenten und mit Trillerpfeifen machten sie ihrem Unmut Luft. "Unsere Flexibilität hört bei der Verlagerung auf", war auf einem Transparent zu lesen.<BR><BR>Die IG Metall will mit der Aktion ihren Kampf um den Erhalt von 1600 Arbeitsplätzen in Würzburg verstärken. Sie fürchtet eine Teiloder Komplettverlagerung der Produktion nach Tschechien. "Siemens hat sich noch keinen Millimeter bewegt", sagte IG-Metall-Sprecher Werner Flierl.<BR><BR>Das Unternehmen baut nach eigenen Angaben im tschechischen Ostrava ein Schwesterwerk für Würzburg. Allerdings sollten in Würzburg möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben, hieß es bei der Unternehmensleitung. "Die Firmenleitung ist sich mit dem Betriebsrat einig, dass die Verhandlungen über die Zukunft des Standortes in den nächsten Tagen weitergeführt werden", sagte ein Siemens-Sprecher in München. Ziel des Unternehmens sei es, die Stärken des Standortes auszubauen. Über Neuanläufe innovativer Produkte solle dieser "nachhaltig gesichert" werden. Zu möglichen Auswirkungen auf die Arbeitsplätze macht der Siemens-Sprecher keine Angaben.<BR><BR>Die Kostensituation des Würzburger Werks, in dem elektrische und elektronische Antriebs- und Informationssysteme für die Automobilhersteller entwickelt und gefertigt werden, muss aus Sicht von Siemens verbessert werden. Die IG Metall wirft dem Unternehmen dagegen Erpressung vor. So habe der Konzern als Alternative für eine Verlagerung der Produktion nach Tschechien unter anderem die Einführung der 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich sowie Verzicht auf Gehaltserhöhung, Urlaubs- und Weihnachtsgeld gefordert. Nur dann solle der Stellenabbau auf 600 Arbeitsplätze beschränkt bleiben. Anfang Mai will die Gewerkschaft mit der Unternehmensspitze über eine Standort- und Beschäftigungsgarantie verhandeln.<BR><BR>Landrat Waldemar Zorn sagte dem Bayerischen Rundfunk, er sehe noch Hoffnung, den Betrieb zu retten. Der Unternehmensführung warf er Erpressung vor. Die Politik sei in zunehmendem Maße den Großkonzernen ausgeliefert, sagte Zorn.

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