Mercedes streicht 8500 Jobs in Deutschland

- Stuttgart - Knapp einen Monat ist Mercedes-Chef Dieter Zetsche nun im Amt. Und schon muss der erfolgreiche Chrysler-Sanierer auch bei der Luxusmarke mit dem Stern harte Schnitte vornehmen. 8500 Stellen will Zetsche in Deutschland streichen, um Mercedes wieder in Fahrt zu bringen. Der Manager mit dem markanten Walross-Bart, der sich in den USA bei den Chrysler-Mitarbeitern trotz seines harten Sparkurses großer Beliebtheit erfreute, will sich heute auf einer Betriebsversammlung in Sindelfingen der Belegschaft stellen.

Da betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind, muss der Personalabbau sozialverträglich erfolgen. "Die Personalanpassungen sollen durch freiwillige Ausscheidensvereinbarungen im Verlauf der nächsten zwölf Monate erreicht werden." Sie seien notwendig, damit die Produktion am "Standort Deutschland nachhaltig abgesichert werden kann." Der Personalabbau soll 950 Millionen Euro kosten.

Zetsche setzt das Sparprogramm "Core" fort, das sein Vorgänger Eckhard Cordes im Frühjahr auf den Weg gebracht hatte. Vieles ist davon bisher noch unvollendet geblieben. Mit dem Sparprogramm soll der Unternehmensbereich langfristig wieder auf Vordermann gebracht werden. Um mehr als drei Milliarden Euro soll damit bis 2007 das Ergebnis verbessert werden. Außerdem wird eine Umsatzrendite von 7 Prozent angepeilt.

Mercedes-Benz war die Perle des deutsch-amerikanischen Autobauers und jahrelang die Stütze des Konzerns. Doch in den vergangenen Monaten hatte Mercedes mit schweren Qualitätsmängeln zu kämpfen. Nach den roten Zahlen im ersten Quartal erreichte die Sparte im zweiten Quartal wieder ein kleines Plus beim operativen Gewinn in Höhe von zwölf Millionen Euro.

Die Mercedes Car Group beschäftigt nach eigenen Angaben derzeit rund 105 000 Mitarbeiter in Deutschland. Betriebsbedingte Kündigungen sind in Deutschland bis zum Jahr 2012 ausgeschlossen. Das hatten Gewerkschaft und Vorstand in harten Verhandlungen im vergangenen Sommer vereinbart. Der Konzern kann seine Mitarbeiter nicht einfach so auf die Straße setzen.

Das Durchschnittsalter der Beschäftigten im Konzern beträgt 41 Jahre. Erste Trennungsvereinbarungen könnten noch in diesem Jahr unterschrieben werden. Besonders betroffen von den Stellenstreichungen sind möglicherweise die Werke in Sindelfingen und Bremen. Sindelfingen ist das größte Mercedes-Werk in Deutschland. Dort werden die C-Klasse, S-Klasse und E-Klasse produziert. In Sindelfingen bringt vor allem die Einführung der neuen C-Klasse einen massiven Produktivitätssprung. Es ist die Rede von 35 Prozent. In Bremen laufen C-Klasse und die beiden Roadster SLK und SL vom Band. Auch das Werk in Stuttgart wird offenbar von den Sparbemühungen nicht ausgenommen. Dort werden unter anderem die Motoren für die Autos mit dem Stern hergestellt.

Eine weitere Dauerbaustelle des Konzerns ist die defizitäre Kleinwagenmarke Smart, die ebenfalls zur Mercedes Car Group gehört. Dort wurden schon mehrere hundert Stellen gestrichen. Bei der Tochter musste kein Mitarbeiter betriebsbedingt entlassen werden. Das Kostenproblem wurde über Abfindungen geregelt. Doch der Betriebsrat hatte dem Unternehmen bei dem Personalabbau ruppiges Vorgehen vorgeworfen.

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