Merck bleibt hart

- Darmstadt/Berlin - In der Übernahmeschlacht um den Pharmahersteller Schering verhärten sich die Fronten. Der drittgrößte deutsche Arzneimittelproduzent will die feindliche Übernahme durch den Konkurrenten Merck möglicherweise durch eigene Zukäufe verhindern, erfuhr die Finanznachrichtenagentur dpa-AFX am Mittwoch. Damit könnte der Wert von Schering über die von Merck gebotenen 14,6 Milliarden Euro steigen. Der Darmstädter Konzern Merck beteuerte jedoch, sein Angebot nicht aufstocken zu wollen. Unterdessen wird in der Branche darüber spekuliert, dass ein drittes Unternehmen als "Weißer Ritter" der Berliner Schering zu Hilfe kommt und das Merck-Angebot überbietet.

Merck plant im Fall der Übernahme laut Branchenkreisen den Abbau von 3000 bis 4500 Arbeitsplätzen weltweit. Die Mehrheit der Stellen soll nach dpa-AFX-Informationen den internen Planungen zufolge im Ausland gestrichen werden. Der Jobabbau solle binnen drei Jahren abgeschlossen sein und möglichst durch natürliche Fluktuation erfolgen. Die beiden Unternehmen haben derzeit zusammen rund 55 000 Mitarbeiter. Merck wollte die Pläne auf Anfrage offiziell nicht kommentieren. "Unser Ziel ist es nicht, Jobs zu streichen, sondern einen weltweiten Player zu schaffen", sagte eine Sprecherin.

Als möglicher "Weißer Ritter" gilt der Chemie- und Pharmakonzern Bayer. Ein Unternehmenssprecher wollte die Marktgerüchten am Mittwoch in Leverkusen aber nicht kommentieren. Trotzdem fiel der Wert der Bayer-Aktie gegen den Markttrend. In der vergangenen Woche hatte Bayer-Chef Werner Wenning generell die Suche nach Akquisitionsmöglichkeiten im Gesundheitsgeschäft signalisiert. "Alles was passt und Wert schafft, schauen wir uns an", hatte Wenning insbesondere mit Blick auf verschreibungsfreie Medikamente gesagt.

Schering leistet Merck weiterhin heftigen Widerstand. Das Unternehmen will sich bis zum Mai verstärkt nach Zukäufen umsehen, um für Merck den Kauf zu verteuern oder zu erschweren, verlautete aus Kreisen. Vorstandschef Hubertus Erlen hatte am Dienstagabend angekündigt, "alle Optionen" einzusetzen, um den eigenständigen Kurs fortsetzen zu können. Schering ist jedoch bereits seit Jahren erfolglos auf der Suche nach Kaufgelegenheiten und will dafür bis zu 1,2 Milliarden Euro investieren. Bei einem Zusammenschluss von Merck und Schering entstünde ein Anbieter mit einem Jahresumsatz von mehr als elf Milliarden Euro. Merck will dabei bis 2009 Synergieeffekte in Höhe von 500 Millionen Euro realisieren.

Der Schering-Aufsichtsrat hatte die Übernahmeofferte von Merck am Vorabend als "unangemessen" niedrig abgelehnt. Merck will trotz der Ablehnung des Schering-Managements sein Angebot aber nicht aufstocken. "Wir bleiben bei unserem Angebot von 77 Euro pro Aktie in bar", sagte eine Merck-Sprecherin. "Wir glauben, dass dieser Preis wirklich fair und gut ist. Das Angebot ist für die Aktionäre da - und nicht für das Management. Wir gehen auch ohne dessen Zustimmung vorwärts." In der ersten April-Hälfte werde Merck sein offizielles Angebot für die Anteilseigner veröffentlichen.

Am Dienstag hatten Spekulationen über eine mögliche Erhöhung des Merck-Angebots für Verwirrung gesorgt. Hauptanliegen sei es, "mit Schering doch noch ins Gespräch zu kommen", hatte MerckAufsichtsratschef Wilhelm Simson in Berlin gesagt. Am Mittwoch dementierte das Unternehmen, dass es jemals Pläne für ein höheres Angebot gegeben habe. "Das war ein Missverständnis", sagte die Sprecherin. Wie in Darmstadt aus Konzernkreisen verlautete, gibt es keine Gespräche mit Schering, es werde nur noch über die Medien kommuniziert.

Die Schering AG und die Merck KGaA sind gemessen an Umsatz und Mitarbeiterzahl etwa gleich groß. Größter Einzelaktionär Scherings ist die Allianz mit knapp 12 Prozent. Die Münchner haben sich bislang nicht zur geplanten Übernahme geäußert.

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