Merkur Bank

Das Geldhaus mit Unternehmer-Gen

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München – Trotz Niedrigzins: Die einzige börsennotierte Bank mit Hauptsitz in Bayern bleibt nach einer erfolgreichen Kapitalerhöhung auf Wachstumskurs. Das liegt auch am Geschäftsmodell, das für eine Privatbank ungewöhnlich ist.

Privatbanken, das sind oft die ganz feinen Adressen. Ein bis zwei Millionen Euro Anlagevolumen sollten es schon sein, wenn man als Kunde diesen Häusern sein Vermögen anvertrauen will. Die Wahrheit: Fast alle diese Häuser gehören zu Konzernen und sind nicht mehr von ihren Inhabern geführt. Es gibt in ganz München nur noch eine echte Privatbank: Die Merkur Bank, die allerdings ein ganz anderes Geschäftsmodell hat – und auch eine andere Kundschaft.

Das merkt schnell, wer mit Bankier Marcus Lingel ins Gespräch kommt. Nach fast zwei Jahrzehnten in München hat er sein breites Schwäbisch kein bisschen abgelegt. Will er auch nicht: Der Spross einer Unternehmerfamilie aus Baden-Württemberg ist bodenständig durch und durch. Und er tut nichts, um das zu verbergen. Sein Signal an die wichtige Kundengruppe Mittelstand formuliert er so: „Hier sitzt ein Banker, der genau so tickt wie andere Unternehmer auch. Ich hafte persönlich mit meinem Vermögen.“ Das erwartet er auch von den Firmenkunden: Dass sie als Unternehmer zu ihrer Verantwortung stehen.

Diese Linie hat mit der jüngeren Entwicklung des Geldhauses zu tun, das 1986 von dem Vater des heutigen Bankiers übernommen wurde, dem Aalener Immobilienunternehmer Siegfried Lingel. Bauträgerzwischenfinanzierung war die wichtigste geschäftliche Säule der neu aufgestellten Bank. Das ist die Finanzierung von Immobilienprojekten bis zum Verkauf der Wohnungen oder Häuser. Etwas, von dem Lingel aus unternehmerischer Erfahrung viel verstand.

Auch die Geschäftszweige, die dazukamen, sollten dem Anspruch gerecht werden, eine Unternehmer-Bank zu sein: Leasing-Refinanzierung oder Unternehmensfinanzierung zum Beispiel.

Aber es gibt durchaus Dinge, von denen Marcus Lingel lieber bis heute die Finger lässt. „Wir haben kein Wertpapierdepot A.“ Das bedeutet: Kein Eigenhandel mit Wertpapieren, mit denen so viele Banken zunächst gute Geschäfte machten, die sie dann aber an den Rand des Abgrunds brachten. Auch bietet die Merkur Bank keine kurzfristige Refinanzierung von langfristigen Krediten, die erst einmal lukrativ erscheint, aber bei steigenden Zinsen zum unüberschaubaren Risiko werden.

Lingel will auch keine eigenen Wertpapierfonds auflegen, „die man dann den Kunden verkaufen muss“, wie er sagt. Die Münchner Privatbank bedient sich bei den Wertpapieren lieber aus dem Angebot anderer Banken, wodurch ihre Kunden dann eine wirklich freie Auswahl haben – und den unabhängigen Rat.

Also keine abenteuerlichen Ausflüge in die Welt des Investmentbankings. Die Merkur Bank konzentriert sich auf das klassische Geschäft: Die Anlage von Kundengeldern und das Ausreichen von Krediten. Grundsolide. Dabei hat sie auch nicht das Problem, mit dem sich Sparkassen und Volksbanken herumschlagen: Bei vielen übersteigen die angelegten Gelder das Kreditvolumen um das Doppelte. So etwas macht es schwer, selbst niedrige Sparzinsen zu erwirtschaften. Bei der Bank am Münchner Hauptbahnhof sind beide Säulen ungefähr gleich hoch.

Und beide Säulen wachsen. Nicht sprunghaft, aber stetig. Im Jahr 2000, als Marcus Lingel – damals neben seinem Vater – in die Geschäftsführung einstieg, belief sich die Bilanzsumme auf 350 Millionen Euro. Im abgelaufenen Jahr wurde erstmals die Marke von einer Milliarde überschritten.

Das Wachstum schafft auch Zwänge. Denn Banken müssen anspruchsvolle Eigenkapitalanforderungen erfüllen. Das versucht die Merkur Bank – wo immer möglich – eher konservativ. Sie führt erhebliche Teile des Gewinns dem Eigenkapital zu. Oder sie holt sich Kapital über eine besondere Form von Anleihen, sogenannte Tier-1-Anleihen, die als Kernkapital gelten. Beide Möglichkeiten wurden 2016 ausgeschöpft.

Die Privatbank ist – als einzige in Bayern – auch an der Börse notiert. Als Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) konnte sie neue Aktien im Wert von rund vier Millionen Euro ausgeben. Bei der Kapitalerhöhung ist Lingel ein Kunststück gelungen: Obwohl der Bezugspreis der neuen Aktien mit 7,80 Euro deutlich über dem Börsenniveau lag (der Kurs schwankte 2016 zwischen 5,60 und 6,71 Euro), wurden die neuen Aktien vollständig platziert.

Das gelang zum Teil, weil Lingel selbst eigene Aktien kaufte. Rund 30 Prozent wurden aber von anderen Aktionären gezeichnet. Aber warum kaufen Interessenten teure Aktien, die sie über die Börse billiger bekämen? Darauf gibt es nur eine sinnvolle Antwort. Investoren wollten so viele Papiere, dass die Nachfrage den Börsenkurs über den Ausgabenpreis getrieben hätte. Die jüngste Analysteneinschätzung hob das Kursziel von 8,20 auf 8,80 Euro an. Und Lingel erwartet für 2016 trotz der Kapitalerhöhung sogar einen steigenden Gewinn pro Aktie.

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