Merkur Bank: Neueinstellungen in Krisenzeiten

- München - Nichts, so scheint es, fürchten Bayerns Banker mehr als Konkurrenz aus Österreich. Die Merkur-Bank hat sie sich ins Haus geholt. Die Münchner Privatbank kooperiert bei der Bauträgerfinanzierung mit der Hypo Tirol Bank, der weit größeren Landesbank aus Innsbruck. "Wenn die günstiger sind, profitieren wir davon", sagt Bank-Chef Siegfried Lingel, der sich vom Optimismus in Österreich anstecken lässt.

<P>Dort herrsche Aufbruchstimmung im Gegensatz zur deutschen Depression. Dabei kann sich das Münchner Bankhaus der Lage nicht entziehen. Der Wertverfall der Immobilienpreise lässt Investoren unter der Zins- und Tilgungslast zusammenbrechen. Die bereits im Vorjahr hohe Risikovorsorge wurde 2004 um 3,2 Millionen auf 9,4 Millionen Euro aufgestockt. In normalen Zeiten so Lingel, liege das Niveau zwischen 4,5 und 5,5 Millionen Euro. Dieser Effekt habe die Bank "um die Früchte des vergangenen Geschäftsjahres gebracht", wie Lingel sagt. Unterm Strich nur ein Jahresüberschuss von 201 200 Euro. Immerhin, andere mussten die Eigenkapitalbasis angreifen. </P><P>Die Bilanzsumme stieg um 12,7 % auf 632,7 Millionen Euro, das Teilbetriebsergebnis um 15,8 % auf 9,5 Millionen Euro. Der Zinsüberschuss kletterte um 9,7 % auf 16,9 Millionen Euro, die Provisionsergebnisse im Privatkundengeschäft um 18 % auf 5,2 Millionen Euro. Durch die Kooperation mit der Hypo Tirol, kam ein Neugeschäftsvolumen von 90 Millionen Euro in die Bücher. So stiegen die Kreditbearbeitungsgebühren überproportional um 28,5 % auf 3,64 Millionen Euro.</P><P>Die Nischenstrategie zahlt sich aus. Regional beschränkt sich die Merkur Bank auf München, Ingolstadt, Jena, Weimar sowie das sächsische Vogtland. Bei den Geschäftsfeldern besetzt sie neben der Refinanzierung von Leasinggeschäften und der Bauträger-Zwischenfinanzierung das Privatkundengeschäft und die Finanzierung mittelständischer Firmenkunden. <BR>Um Liquiditätsschwierigkeiten bei Kunden abzumildern und schlimmstenfalls einen guten Teil des Werts zu retten, hat die Merkur Bank eine Sanierungsabteilung eingerichtet. "Wir bemühen uns immer wieder um mittelfristige Gesundung", sagt Lingel.</P><P>Während andere Geldhäuser entlassen oder sich schon für den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen loben, betreibt die Merkur-Bank Personalaufbau. Ende 2004 wurden 158 Mitarbeiter beschäftigt 15 mehr als vor Jahresfrist, darunter 16 Lehrlinge. Fünf weitere, die 2004 ihre Ausbildung abgeschlossen haben, wurden übernommen.</P><P>Damit hat die Bank eine erfreuliche Entwicklung genommen, besonders wenn man weiter zurückblickt: Als 1986 die schwäbische Unternehmerfamilie Lingel die Merkur Bank kaufte, hatte diese bei einer Bilanzsumme von 9 Millionen Euro noch sieben Mitarbeiter und 250 Kunden. Daraus wurden bis heute 24 000. <BR><BR></P>

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