Merrill-Lynch-Chef scheidet mit 161,5 Millionen Dollar aus

Stan O'Neal (56), der ausgeschiedene Chef der von Milliardenverlusten und -abschreibungen belasteten US-Investmentbank Merrill Lynch, scheidet mit Gesamtansprüchen von 161,5 Millionen Dollar (112 Mio Euro) aus.

Dies hat Merrill Lynch in Unterlagen bekannt gegeben, die bei der amerikanischen Wertpapier- und Börsenbehörde SEC eingereicht wurden. O'Neal erhält jedoch nach den SEC-Unterlagen keinen Bonus für das laufende Geschäftsjahr. Oft ist selbst in Ungnade gefallene Wall- Street-Bossen trotz hoher Verluste bei ihren Firmen der Ausstieg auch noch mit zusätzliche hohen Boni versüßt worden.

Allerdings wurde der O'Neal-Ausstieg "in jeder Hinsicht als Ruhestand" deklariert. Damit wurde sichergestellt, dass er seine kumulierten Ansprüche von 161,5 Millionen Dollar behält. O'Neal hatte außerdem in den vergangenen fünf Jahren bereits mehr als 70 Millionen Dollar verdient, berichtete die "New York Times" am Mittwoch in ihrer Onlineausgabe.

Merrill hatte den sofortigen O'Neal-Rücktritt am Dienstag bekannt gegeben. O'Neal war wegen eines Verlustes von 2,3 Milliarden Dollar (1,6 Mrd Euro) und Abschreibungen von 8,4 Milliarden Dollar im dritten Quartal 2007 aufgrund fehlgeschlagener Investments im Zuge der Hypotheken- und Kreditkrise unter schweren Beschuss geraten. Es waren die bisher höchsten Verluste einer Wall-Street-Firma im Zusammenhang mit der eskalierenden Kreditkrise.

Die Suche nach einem O'Neal-Nachfolger dürfte rasch anlaufen. Sie wird von Alberto Cribiore geführt, der auf Interimsbasis zum Leiter des Merrill-Verwaltungsrates ernannt wurde.

Als einer der aussichtsreichsten Kandidaten gilt in der Wall Street Laurence Fink, Chef des Vermögensverwalters Black Rock, an dem Merrill zu 49 Prozent beteiligt ist. Black Rock verwaltet Vermögenswerte von mehr als einer Billion Dollar und ist damit mehr als halb so groß wie Merrill. Merrill-Präsident Gregory J. Fleming wird ebenfalls als möglicher Kandidat gehandelt. Ein weiterer Kandidat könnte John Thain sein, Chef der NYSE Euronext.

Die Merrill-Aktien fielen am Dienstag um 2,8 Prozent auf 65,56 Dollar. Sie hatten im Januar mit 98,68 Dollar ein Zwölfmonatshoch erreicht, waren aber zwischenzeitlich wegen der Milliardenverluste des Unternehmens massiv eingebrochen.

Die Anwaltsfirma Abraham Fruchter & Twersky LLP hat in einem New Yorker Gericht eine Sammelklage gegen Merrill eingereicht. Darin wird die Investmentbank beschuldigt, gegen das Börsengesetz verstoßen zu haben, teilte die New Yorker Anwaltskanzlei mit. (dpa)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schock für Primark! Neue Studie enthüllt vernichtendes Detail über Modekette
Schock für den Mode-Riesen Primark! Eine Große Studie einer Mediengruppe aus Frankfurt enthüllt ein vernichtendes Detail über Modekette. Alle Infos hier. 
Schock für Primark! Neue Studie enthüllt vernichtendes Detail über Modekette
Angeblicher Tesla-Saboteur bezeichnet sich als Whistleblower
Tesla hat einen ehemaligen Mitarbeiter verklagt, der dem Konzern angeblich "mutwillig und arglistig" Schaden zufügen wollte. Nun setzt sich der Mann zur Wehr - er sei …
Angeblicher Tesla-Saboteur bezeichnet sich als Whistleblower
BER-Chef sieht noch Zeitreserven bis zur Eröffnung 2020
Noch immer werden im Terminal Kabel neu gezogen, Rohre erneuert, Brandmelder geprüft und Steuerungen programmiert. Der Chef erläutert den Zeitplan - in einem Punkt aber …
BER-Chef sieht noch Zeitreserven bis zur Eröffnung 2020
T-Systems streicht weltweit 10.000 Stellen
Bonn (dpa) - Die schwächelnde Telekom-Großkundentochter T-Systems will bis 2020 rund 6000 Stellen allein in Deutschland streichen - weltweit sollen es 10.000 sein. Der …
T-Systems streicht weltweit 10.000 Stellen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion