+
Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger spricht am 15.05.2013 in München auf einer Pressekonferenz, während die Arbeitgeber-Verhandlungsführerin Angelique Renkhoff-Mücke neben ihm steht. IG Metall und Arbeitgeber haben sich am frühen Mittwochmorgen auf einen neuen Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie geeinigt. 

Streik abgewendet

IG Metall und Arbeitgeber einigen sich

München - IG Metall und Arbeitgeber haben sich am frühen Mittwochmorgen auf einen neuen Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie geeinigt. Statt Streik gibt es mehr Geld für die Angestellten.

IG Metall und Arbeitgeber haben in der Nacht zum Mittwoch in München einen Pilotabschluss für die Metall- und Elektroindustrie erzielt. Damit ist ein Streik in der wichtigsten Industriebranche abgewendet. Die Löhne und Gehälter der bundesweit 3,7 Millionen Beschäftigten sollen ab dem 1. Juli um 3,4 Prozent erhöht werden und in einem zweiten Schritt ab 1. Mai 2014 noch einmal um 2,2 Prozent. Insgesamt hat der neue Tarifvertrag eine Laufzeit von 20 Monaten, für Mai und Juni 2013 gibt es keine Erhöhung. Beide Seiten zeigten sich hoch zufrieden und sprachen von einem fairen Kompromiss. Der kurz nach Mitternacht erzielte Abschluss in Bayern soll nun auch von den übrigen Tarifbezirken übernommen werden.

Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber sagte, der Bundesvorstand Metall habe der Einigung bereits in der Nacht zugestimmt und den übrigen Bezirken zur Übernahme empfohlen. Die Zustimmung der Großen Tarifkommission, die am Mittwochmittag zusammentritt, gilt als sicher. Mit der Tariferhöhung würden die Beschäftigten fair und angemessen an der wirtschaftlichen Entwicklung beteiligt, sagte Huber. Die Warnstreiks der vergangenen Tage hätten den notwendigen Druck erzeugt, der für die rasche Einigung nötig gewesen sei. „Die Mitglieder, IG-Vertrauensleute und Betriebsräte haben diesen Erfolg möglich gemacht“, sagte Huber.

"Beschluss zeugt von Weitblick und Fairness"

Ursprünglich hatte die IG Metall für die deutsche Schlüsselbranche 5,5 Prozent mehr Geld gefordert - bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Die Arbeitgeber hatten zunächst 2,3 Prozent bei einer Laufzeit von 13 Monaten angeboten.

Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger, hob vor allem die lange Laufzeit hervor. „Der Pilotabschluss sorgt für Planungssicherheit und zeugt von Weitblick und Fairness.“ Das sei auch der bayerischen Verhandlungsführerin auf Arbeitgeberseite, Angelique Renkhoff-Mücke, zu verdanken. Der Abschluss verschaffe Bayern wieder die tarifpolitische Bedeutung, „die dem Land aufgrund seiner starken Metall- und Elektroindustrie zusteht“, sagte Dulger. Es ist der erste Pilotabschluss seit 1995, der in Bayern verhandelt wurde.

Die IG Metall hatte seit Ende der Friedenspflicht am 30. April mit vielen Warnstreiks den Druck auf die Arbeitgeber erhöht. Bundesweit hatten sich in den zwei Wochen mehr als 750 000 Metaller an Aktionen beteiligt.

"Lange Laufzeit gibt uns die nötige Planungssicherheit"

Der bayerische IG-Metall-Chef und Verhandlungsführer Jürgen Wechsler sagte im ZDF-„Morgenmagazin“: „Ich bin insgesamt und rundum sehr zufrieden.“ Die Arbeitnehmer würden am wirtschaftlichen Erfolg in den Betrieben angemessen beteiligt. Dafür müssten sie mit der relativ langen Laufzeit eine Kröte schlucken. Die Gewerkschaft habe ursprünglich eine kürzere Laufzeit angestrebt, „um ein bisschen mehr einschätzen zu können, wie die wirtschaftliche Lage 2014 ist“, sagte Wechsler.

„Die lange Laufzeit gibt unseren Firmen die nötige Planungssicherheit“, sagte Arbeitgeber-Verhandlungsführerin Renkhoff-Mücke im ZDF. Die Arbeitgeber hätten klar gemacht, „dass uns eine längere Laufzeit sehr, sehr wichtig ist. Und vor diesem Hintergrund sind wir mit dem Ergebnis gestern Abend unterm Strich doch sehr zufrieden.“

Dafür verhinderte die Gewerkschaft Abweichmöglichkeiten vom Tarifvertrag. Öffnungsklauseln seien verhindert worden, sagte Wechsler. Die Arbeitgeber wollten, „dass Betriebe, die in keiner so sehr guten Lage sind, von dem Tarifvertrag abweichen können“, erklärte Renkhoff-Mücke. „Das war ein Punkt, von dem wir letztendlich Abstand nehmen mussten.“ Beide Seiten lobten das konstruktive Klima in den Verhandlungen. Die vierte Tarifrunde hatte am Dienstag gegen 18 Uhr begonnen, und bereits kurz nach Mitternacht stand der Kompromiss.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Traum-Swimming-Pool bei Aldi im Angebot - doch er hat einen großen Nachteil
Der Discounter Aldi hat seit einigen Tagen einen Aufstell-Pool im Angebot. Steht einem heißen Sommer mit Abkühlung im Garten also nichts mehr im Weg, oder?
Traum-Swimming-Pool bei Aldi im Angebot - doch er hat einen großen Nachteil
Rewe-Tweet zur WM geht voll nach hinten los - Supermarkt-Kette löscht ihn zerknirscht wieder
Ein eigentlich witzig gemeinter Tweet zum WM-Spiel Deutschland gegen Mexiko von Rewe ging nach hinten los. Wenig später löschte die Supermarkt-Kette ihn wieder und gab …
Rewe-Tweet zur WM geht voll nach hinten los - Supermarkt-Kette löscht ihn zerknirscht wieder
China kündigt Strafzölle gegen USA für 6. Juli an
Peking hält sich im Streit mit Trump nicht zurück. Ein Handelskrieg der beiden größten Volkswirtschaften ist wahrscheinlicher geworden. China lässt die Tür für …
China kündigt Strafzölle gegen USA für 6. Juli an
Trotz Unwetter: Versicherer erwarten normales Schadensjahr
Starkregen, Hagel und Überschwemmungen - schwere Unwetter wüteten zuletzt über Baden-Württemberg. Versicherer rechnen in Deutschland aber trotzdem mit einem normalen …
Trotz Unwetter: Versicherer erwarten normales Schadensjahr

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.