Metall-Arbeitgeber warnen IG Metall vor zu hoher Forderung

München - Bayerns Metallarbeitgeber haben die Gewerkschaft IG Metall für die kommende Tarifrunde zur Mäßigung aufgerufen. Eine Forderung nach sieben bis acht Prozent mehr Lohn, wie sie der Vorstand der Gewerkschaft den Bezirken empfohlen hatte, berücksichtige nicht die aktuelle Entwicklung der Branche, heißt es in einem der dpa vorliegenden Brief der Arbeitgeber an den bayerischen IG Metall-Chef Werner Neugebauer.

Neugebauer nannte den Brief in einer Stellungnahme am Freitag einen "Stilbruch". "Das ist das erste Mal in 20 Jahren, dass der VBM versucht über die Öffentlichkeit den Prozess der Diskussion in den Betrieben zu beeinflussen." Die Tarifkommission der IG Metall Bayern soll nächste Woche über ihre Empfehlung entscheiden. Die ersten Gespräche beider Seiten sind dann für den 8. Oktober geplant.

Eine Forderung in der genannten Höhe bilde allenfalls den Aufschwung der Vergangenheit ab, heißt es in dem Brief weiter. Die wirtschaftliche Lage habe sich aber deutlich abgekühlt. 2009 sei bestenfalls mit einer Stagnation zu rechnen. Hinzu kämen Belastungen durch die hohen Rohstoffpreise sowie den nach wie vor starken Euro, was vor allem die exportorientierten bayerischen Unternehmen treffe, die fast 60 Prozent ihres Umsatzes im Ausland erwirtschafteten.

Ein zu hoher Abschluss in der Phase eines beginnenden Abschwungs berge die Gefahr eines Anstiegs der Arbeitslosigkeit und des Ausstiegs vieler Unternehmen aus dem Flächentarifvertrag. Im Aufschwung hätten die bayerischen Metall- und Elektrounternehmen tausende neue Arbeitsplätze geschaffen. "Wir müssen in der Tarifrunde dafür sorgen, möglichst viele dieser neuen Jobs über die kommende schwierige Phase hinweg zu halten. Das schaffen wir aber nur mit moderaten, der wirtschaftlichen Situation angemessenen Steigerungen."

Ausgehend von der üblichen Lohnformel der IG Metall käme man auf eine Steigerung von rund vier Prozent, schreiben die Arbeitgeber weiter. Von einer Gerechtigkeitslücke, mit der die Gewerkschaft die höhere Forderung rechtfertige, könne keine Rede sein. "Der Verdienst eines M+E-Mitarbeiters beträgt im Schnitt 44 000 Euro im Jahr. Die deutschen Metallarbeitnehmer sind damit die bestbezahlten Metaller auf der ganzen Welt."

Die Inflation sei in den vergangenen Tarifrunden stets ausgeglichen worden. "Die Inflation darf aber keine tarifpolitischen Konsequenzen in Form überhöhter Tarifabschlüsse haben." Denn die Unternehmen litten genauso unter höheren Energie- und Rohstoffpreisen wie der einzelne. "Wir wollen die Beschäftigten der bayerischen Metall- und Elektroindustrie auch in Zukunft angemessen und fair beteiligen, wann immer es die wirtschaftliche Situation der Betriebe zulässt." An erster Stelle stünden aber die Wettbewerbsfähigkeit und die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen."

Die Argumente der Arbeitgeber gegen unsere Forderung sind immer die gleichen", erwiderte Neugebauer. In der letzten Tarifrunde 2007 hätten die Arbeitgeber gedroht, der Abschluss müsse auf alle Fälle unter 2,5 Prozent liegen, jedes Prozent mehr würde jeweils 10 000 Arbeitsplätze kosten. Der Abschluss habe dann trotzdem wesentlich höher gelegen. "Und dieser viel höhere Abschluss hat nicht nur keine Arbeitsplätze gekostet, im Gegenteil: tausende neue Arbeitsplätze sind entstanden."

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