IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld

- Frankfurt/Main - Die IG Metall will in der Tarifrunde für die 3,4 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie kräftige Einkommenserhöhungen von fünf Prozent durchsetzen. Das beschloss der Vorstand der Gewerkschaft am Freitag in Frankfurt. Zudem verlangt die IG Metall einen Tarifvertrag zur Qualifizierung und Innovation sowie die Verlängerung der vermögenswirksamen Leistungen. "Unsere Forderungen sind sozial gerecht, sie sind ökonomisch geboten und sie dienen der Zukunftssicherung der Arbeitsplätze und der Standorte", sagte IG-Metall-Chef Jürgen Peters.

Die Lage in der Metall- und Elektroindustrie ist nach Darstellung der IG Metall gut. 2006 werde die Branche bei einer Produktivitätssteigerung von etwa fünf Prozent und erhöhten Absatzpreisen von rund einem Prozent "glänzende Ertragsaussichten" haben. Der Lohnanteil am Umsatz liege bei nur noch 17,4 Prozent. "Es ist deshalb nicht nur heuchlerisch, sondern peinlich, wenn die Arbeitgeber auch in dieser Tarifrunde das Klagelied über die hohen Lohnkosten anstimmen", sagte Peters. Eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um fünf Prozent bedeute eine Kostensteigerung für die Unternehmen von etwa 0,88 Prozent.

"Die deutsche Wirtschaft muss sich vom Damoklesschwert der Exportabhängigkeit befreien", forderte Peters. Die Menschen müssten wieder konsumieren können. Die Tarifpolitik der IG Metall wolle einen Beitrag zur Stärkung der Kaufkraft leisten. Immer weniger Reallohn habe nicht zu mehr Arbeitsplätzen geführt. Diese Theorie der Arbeitgeber habe sich als Sackgasse erwiesen. "Sie sollen aufhören, die Menschen in diesem Land ständig mit Arbeitsplatzverlagerung zu bedrohen", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende. Die IG Metall sei nicht an Konflikten, sondern an Lösungen interessiert. Sie werde aber auch Konflikte nicht scheuen, wenn sie von den Arbeitgebern provoziert würden.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wies die Tarifforderung scharf zurück. Fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt würde die Betriebe der Metall- und Elektroindustrie in ihrer Wettbewerbsfähigkeit hart treffen, erklärte der Verband am Freitag in Berlin. Schon heute habe die Branche die höchsten Arbeitskosten unter allen Wettbewerbern. Auf diese noch einmal kräftig draufzusatteln, werde weitere Arbeitsplätze aus dem Land treiben.

Die Forderung nach mehr Qualifizierung und Innovation begründete die IG Metall mit einem großen Nachholbedarf. Die deutsche Wirtschaft werde im Wettbewerb nur bestehen, wenn sie Innovationen vorantreibe und die Belegschaften weiter qualifiziere, sagte Peters. Viele Unternehmen kämen in Schieflage, weil Innovationen verpasst oder gar verschlafen worden seien. "Die Lasten tragen die Beschäftigten durch Lohneinbußen und schlechte Arbeitsbedingungen", sagte der Gewerkschaftschef. Für das Tarifgebiet Baden-Württemberg fordert die IG Metall zudem die Fortführung des Lohnrahmens II, der unter anderem Erholzeit für Fließbandarbeiter regelt. "Einen Tarifabschluss ohne Lohnrahmen II wird es mit der IG Metall nicht geben", betonte Peters.

Die Verhandlungen, die regional geführt werden, beginnen am 8. Februar in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Die Friedenspflicht endet vier Wochen später in der Nacht zum 29. März. Von diesem Zeitpunkt an kann die IG Metall zu Warnstreiks aufrufen.

In der Tarifrunde 2004 für die Metall- und Elektroindustrie hatten sich Gewerkschaft und Arbeitgeber auf stufenweise Entgelterhöhungen im Volumen von 2,2 und 2,7 Prozent für 26 Monate geeinigt. Die IG Metall war mit einer Forderung von 4,0 Prozent in die Verhandlungen gegangen.

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