Die IG Metall gibt sich streiklustig

Die IG Metall will nichts von einem Abschwung wissen. Stattdessen gibt sich der Vorstand kampfbereit und klopft den Rahmen für die höchste Lohnforderung seit 16 Jahren fest. Die Arbeitgeber lehnen entschieden ab.

Der Metall- und Elektroindustrie droht der härteste Tarifkampf seit Jahren. Während die Arbeitgeber Zurückhaltung predigen, steuert die IG Metall trotz sich eintrübender Konjunkturaussichten auf eine Forderung von sieben Prozent und mehr zu. Mit einer solchen Größenordnung sei angesichts der Diskussionen in den Bezirken zu rechnen, sagte Helga Schwitzer, Vorstandsmitglied bei der IG Metall am Wochenende. Laut "Spiegel" werden es 7,5 Prozent sein.

Die Gewerkschaft will am heutigen Montag in Frankfurt einen Forderungsrahmen beschließen. Wenn in den Tagen danach alle sieben Bezirke ihre Vorstellungen verkündet haben, wird am 23. September endgültig über die bundesweit einheitliche Lohnforderung abgestimmt. Die ersten Gespräche der Tarifparteien finden Anfang Oktober statt, in Bayern wird erstmals am 8. Oktober verhandelt.

Schon im August hatte der IG-Metall-Chef Berthold Huber angekündigt, dass die Arbeitnehmer mehr fordern werden als 2007. In den Bezirken wurde zuletzt über eine Zahl zwischen sieben und acht diskutiert - das wäre die höchste Forderung seit 16 Jahren. Bei der letzten Tarifrunde hatte die Gewerkschaft für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie 6,5 Prozent mehr Geld verlangt und Lohnerhöhungen in zwei Stufen von 4,1 und 1,7 Prozent bei einer Laufzeit von 19 Monaten erreicht.

Die Gewerkschaft betont ihre Kampfbereitschaft. Die Erwartung in den Betrieben sei hoch, sagte Schwitzer. Die IG Metall werde ihre "Forderungen mit dem nötigen Druck unterstreichen". Gleich nach dem Auslaufen des Tarifvertrags in der Nacht auf den 1. November könne es Warnstreiks geben.

"Die Beschäftigten sagen: ,Es reicht jetzt, wir wollen am Aufschwung beteiligt werden'", betonte Schwitzer. Die Arbeitgeber seien deshalb gut beraten, einem raschen Ergebnis nicht im Wege zu stehen. Trotz der zu erwartenden hohen Forderung rechnet die IG Metall mit einer breiten gesellschaftlichen Zustimmung. Die Einkommen der Beschäftigten seien trotz guter Tarifabschlüsse bei weitem nicht in dem Maße gestiegen wie die Gewinne der Unternehmen.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hatte wiederholt vor einer hohen Forderung gewarnt und die Zahl von drei Prozent als Schmerzgrenze für einen Abschluss genannt. "Wir wollen die künftige Entwicklung der Konjunktur nicht kaputt machen", sagte NRW-Metallarbeitgeber-Chef Horst-Werner Maier-Hunke am Sonntag. Die derzeitige Lage, mit zum Teil "dramatischen Einbrüchen" bei den Auftragseingängen im August, bezeichnete er als sehr fragil. Die sich abzeichnenden Forderungen von bis zu acht Prozent lehnt Maier-Hunke ab: "Wir werden mit Sicherheit die Forderung der IG Metall so überhaupt nicht diskutieren können."

Gesamtmetall verweist darauf, dass die Löhne in der Branche in den letzten Jahren weit mehr anzogen als in anderen Sektoren. Von 1997 bis 2007 seien die Entgelte nach Abzug von Steuern, Abgaben und Inflation um 11,5 Prozent gestiegen. Für die von der Gewerkschaft ausgelöste Gerechtigkeitsdebatte gebe es deshalb keinen Anlass.

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