IG Metall lässt Muskeln spielen

Metall- und Elektroindustrie II: - Düsseldorf - Vor der entscheidenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie lässt die IG Metall die Muskeln spielen. Am Montag unterstrich die größte deutsche Industriegewerkschaft mit weiteren Warnstreiks in mehreren Bundesländern ihre Kampfbereitschaft. Am Mittwoch und Donnerstag sollen die Protestaktionen deutlich ausgeweitet werden.

Ein Schwerpunkt ist am Donnerstag (3.5.) Baden-Württemberg, wo Arbeitgeber und Gewerkschaft am Nachmittag in fünfter Runde einen Durchbruch am Verhandlungstisch anpeilen. Die IG Metall verlangt für die bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten 6,5 Prozent mehr Geld. Die Arbeitgeber haben bislang 2,5 Prozent plus 0,5 Prozent Konjunkturbonus angeboten.

Einen Lösungsansatz sehen beide Seiten bei der Laufzeit des neuen Tarifvertrages. In der Tageszeitung "Die Welt" hielt der baden-württembergische IG-Metall-Verhandlungsführer Jörg Hofmann zwar zwei Jahre für unwahrscheinlich. "Wir können uns aber über eine Laufzeit von unter 19 Monaten unterhalten." Allerdings werde das Volumen des Abschlusses "umso höher, je länger die Laufzeit wird".

Die bislang angebotene Lohnzahl reiche angesichts der florierenden Konjunktur "bei weitem nicht aus". Auch Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser hatte zuvor im Nachrichtenmagazin "Focus" das Laufzeit-Thema als eine der möglichen "Stellschrauben" in den Vordergrund gerückt. Zu den Einigungschancen sagte Hofmann: "Wir suchen am Donnerstag nach einer letzten Lösung in freien Verhandlungen, und ich glaube, wir können sie finden."

Der Schwerpunkt der Warnstreiks lag am Montag im größten deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Auch in Berlin und Baden-Württemberg legten hunderte Beschäftigte die Arbeit vorübergehend nieder. Kleinere Aktionen gab es in Hessen und Niedersachsen. Hofmann kündigte an, am Mittwoch und Donnerstag werde es deutlich mehr Warnstreiks geben: "Wir planen Aktionen in mehr als 400 Betrieben. Da wird nicht gekleckert, sondern geklotzt." Der Stuttgarter Bezirksleiter sprach von der "intensivsten Warnstreikphase, die wir bisher in so kurzer Zeit hatten".

Im Düsseldorfer Transporter-Werk von DaimlerChrysler setzten rund 600 Mitarbeiter während der Nachtschicht die Arbeit aus. In Duisburg legten nach Gewerkschaftsangaben am Montagvormittag rund 300 Beschäftigte von Siemens und der Grillo-Metallwerke für zwei Stunden die Arbeit nieder.

Im Pkw-Werk von DaimlerChrysler in Rastatt standen am frühen Morgen gut zwei Stunden die Bänder still, 800 Mitarbeiter legten vorübergebend die Arbeit nieder. Nach Einschätzung der IG Metall wurden mehr als 50 Wagen der Mercedes A- und B- Klasse nicht gebaut. Die Auftragsbücher für das Werk seien voll, die Auslastung "am oberen Ende". Mit Transparenten, Trillerpfeifen und Fahnen verlangten sie von den Arbeitgebern ein verbessertes Angebot. Kleinere Aktionen gab es auch beim Sägenhersteller Stihl in Waiblingen.

Im Berliner Gilette-Rasierklingenwerk legten rund 300 Mitarbeiter die Arbeit nieder. Beim Ventilhersteller Mahle Ventiltrieb im hessischen Wölfersheim beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben 60 Mitarbeiter. Rund 1400 Mitarbeiter des Automobilzulieferers Faurecia in Stadthagen legten nach Angaben der IG Metall ihre Arbeit nieder. Auch in anderen niedersächsischen Betrieben wie in Braunschweig, Celle, Göttingen und Goslar setzten Beschäftigte die Arbeit vorübergehend aus. Für die Nacht zum 1. Mai kündigte die Gewerkschaft erste Warnstreiks in Bayern an.

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