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Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer

IG Metall sieht Branche vor schwierigem Jahr

München - Die bayerische Metall- und Elektroindustrie hat nach Einschätzung der IG Metall ein weiteres schwieriges Jahr vor sich.

“Wir sind noch lange nicht über den Berg“, sagte Neugebauer am Montagabend in München. Bereits in den vergangenen zwölf Monaten seien rund 40.000 der ursprünglich 750.000 Arbeitsplätze in der Branche abgebaut worden. Die massiven Auftragsrückgänge zugrunde gelegt, biete die Branche derzeit nur für rund 630.000 Menschen im Freistaat Arbeit.

Sorge bereite auch der massive Anstieg der Insolvenzzahlen. Nach 37 Insolvenzen in den letzten zwölf Monaten stehe es um mindestens weitere 40 bis 50 Unternehmen der Branche schlecht, sagte Neugebauer. Besonders kritisch sei die Lage in der Region um Passau, dagegen halte sich beispielsweise die Region Augsburg noch relativ stabil.

Um die Flaute abzufedern, haben die Unternehmen Zehntausende Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt, bayernweit waren davon im Oktober knapp 164.000 Beschäftigte betroffen. Durch dieses Instrument sei es gelungen, viele Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten, sagte Neugebauer.

Gewerkschaft will 24-monatige Kurzarbeit

Die Gewerkschaft will deshalb möglichst viele Arbeitgeber davon überzeugen, die Kurzarbeit volle 24 Monate auszuschöpfen und so Arbeitsplatzabbau zu vermeiden. Hinzukommen sollte nach dem Willen Neugebauers anschließend die sogenannte strukturelle Kurzarbeit, die Raum bieten soll für eine Neuausrichtung der Unternehmen und die Weiterqualifizierung der Beschäftigten.

Das Thema Beschäftigungssicherung sei auch zentrales Thema für die nächste Tarifrunde im kommenden Jahr, sagte Neugebauer. Hinzu komme die Übernahme von Auszubildenden und die Schaffung von Ausbildungsplätzen. Sollten sich die Arbeitgeber hier nicht gesprächsbereit zeigen, werde man sich dagegen auf eine reine Lohn- und Gehaltstarifrunde konzentrieren, erklärte Neugebauer. Auch IG-Metall-Chef Berthold Huber hatte erst kürzlich in einem Interview angekündigt, die Gewerkschaft wolle auf hohe Entgeltforderungen verzichten und so Jobs sichern.

dpa

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