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Der IG Metall-Vorsitzende Berthold Huber beginnt mit einem glänzenden Stimmergebnis von 96,2 Prozent seine zweite Amtszeit.

IG Metall steht vor kniffliger Tarifrunde

Rheinstetten - Nachwuchsprobleme, Leiharbeit, wirtschaftlicher Abschwung: Die IG Metall will in der nächsten Tarifrunde viele Probleme bekämpfen. Dennoch starten sie selbstbewusst, denn sie haben ein unerwartetes Lob bekommen.

Geschlossenheit und Kampfesmut - diese Botschaft sendet die IG Metall ein halbes Jahr vor der nächsten Tarifrunde von ihrem 22. Gewerkschaftstag. Der allseits geschätzte Vorsitzende Berthold Huber beginnt - trotz der Schlappe beim Versuch, den Vorstand zu verkleinern - mit einem glänzenden Stimmergebnis von 96,2 Prozent seine zweite Amtszeit. Erstmals seit Jahren rechnen die Metaller zum Ende 2011 mit einem Mitgliederplus, das sich insbesondere aus Anträgen junger Menschen speist. Ansehen und Respekt bringt auch die Politik den Gewerkschaftern entgegen, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass Deutschland stärker als zuvor aus der Krise 2008/09 hervorgegangen ist.

Die Tarifrunde für die Branche mit ihren 3,5 Millionen Beschäftigten im kommenden Frühjahr wird nicht nur im Zeichen der Lohnfrage stehen. Als drängende Anliegen, die tarifvertraglicher Regelungen bedürfen, sieht die Gewerkschaft auch die Integration junger Menschen in die Arbeitswelt und das Eindämmen von Leiharbeitsverhältnissen. Schon vor der Tarifrunde sollen diese Themen mit den Arbeitgebern besprochen werden, diese halten sich dabei aber noch bedeckt.

Die Einkommenssteigerungen sollen nach den boomenden Geschäften der Branche 2011 laut Huber einen “beträchtlichen Umfang“ haben; allerdings ist der Gewerkschaftsboss aber auch so realistisch, die Unwägbarkeiten für 2012 nach den ersten düsteren Prognosen nicht außer Acht zu lassen: Eventuell sei wieder ein Pakt von Wirtschaft, Gewerkschaften und Politik nötig, um die Arbeitsplätze zu halten, sagte er vor den fast 500 Delegierten. Im Dezember soll die konkrete Forderung erstmals diskutiert werden, im Januar/Februar wird die Forderungszahl dann beschlossen.

Dass im Fall eines neuen Abschwungs die richtigen Instrumente vorhanden sind, dafür hat sich Huber mit seiner Forderung nach einer Verlängerung der staatlichen Zuschüsse für die Kurzarbeit stark gemacht. Mit den Arbeitgebern soll ebenfalls noch vor der eigentlichen Tarifrunde über deren Beiträge zum Kurzarbeitergeld gesprochen werden.

Beim Thema Leiharbeit müssen die Gewerkschafter eine harte Nuss knacken. Die Arbeitgeber sehen sie als probates Mittel zum Abfangen von Auftragsschwankungen und als Einstiegschance für Arbeitnehmer in befristete Arbeitsverhältnisse. Die Gewerkschafter wollen nicht länger mit ansehen, dass Kollegen für gleiche Tätigkeiten deutlich unterschiedlich entlohnt werden; sie fordern eine Gesetzesänderung, um gleiches Geld für gleiche Arbeit durchzusetzen. Nach Gewerkschaftsangaben gibt es in Einzelfällen schon Leiharbeitsquoten von bis zu 40 Prozent, andere Firmen wie der Autozulieferer Bosch machen von dem Instrument gar keinen Gebrauch. Für die Tarifrunde stehen ausgeweitete Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte für den Einsatz von Leiharbeitern ebenfalls auf der Agenda.

Auch bei der von Metaller-Seite gewünschten unbefristeten Übernahme von Jugendlichen werden die beiden Lager heftig aneinandergeraten. Denn sie analysieren die Einstellungspraxis ganz unterschiedlich: Laut Gewerkschaft werden drei von vier Auszubildenden nur befristet übernommen. Das ist aus ihrer Sicht viel zu wenig. Der Arbeitgeberverband Südwestmetall hält dagegen, dass 80 Prozent der Lehrlinge immerhin unbefristet weiterbeschäftigt werden - entweder sofort oder nach einem befristeten Jahr.

Die Jugend wird immer wichtiger für die Gewerkschaft. Nachdem sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihrem Besuch in Rheinstetten einem Gespräch mit jungen Metallern verweigert hatte, betonte Huber nochmal die Bedeutung der Jugendarbeit. Das verstärkte Werben der Gewerkschaft, die sich selbst als “größte Jugendorganisation in Deutschland“ sieht, wird auch in den Mitgliederzahlen deutlich. Jedes zweite der fast 80 000 Neumitglieder in diesem Jahr ist jünger als 27. Im Vergleich zum Jahresabschluss 2010 verbucht die Gewerkschaft in diesem Jahr ein Plus von fünf Prozent bei den Mitgliedern in dieser Altersgruppe. Im September zählte die größte europäische Einzelgewerkschaft 2,3 Millionen Mitglieder.

dpa

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