1860 trauert um „Atom-Otto“

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Bei der Forderung nach einer unbefristeten Übernahme für fertig ausgelernte Lehrlinge gab es erste spürbare Annäherungen.

Metall-Tarifverhandlungen ziehen sich in die Länge

Sindelfingen - Zähes Ringen im Metall-Tarifkonflikt: Die IG Metall sieht zwar Annäherungen bei der Azubi-Übernahme, bremst aber gleichzeitig die Erwartungen. Denn die Leiharbeit mache weiter Probleme.

Besonders das heiße Eisen Leiharbeit hat das Ringen um einen neuen Metall-Tarifabschluss in der Nacht zu Samstag in eine wahre Hängepartie verwandelt. Die IG Metall und die Arbeitgeber näherten sich auch nach Stunden nur in Trippelschritten und zogen sich immer wieder zu Beratungen in ihre Gremien zurück. Bei den Verhandlungen im möglichen Pilotbezirk Baden-Württemberg waren auch IG-Metall-Chef Berthold Huber und Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser hinzugezogen worden. Auch am späten Abend war der Ausgang der Gespräche in Sindelfingen noch völlig ungewiss - eine neue Marathonsitzung bis in den Morgen zeichnete sich ab.

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Bei der fünften Verhandlungsrunde entwickelte sich die Leiharbeit zum zentralen Knackpunkt. Während der entscheidenden Tarifrunde zeigte sich deutlich, dass die Gräben bei diesem Thema am tiefsten sind. Bei der Forderung nach einer unbefristeten Übernahme für fertig ausgelernte Lehrlinge gab es dagegen erste spürbare Annäherungen.

Als Zwischenstand wiesen beide Seiten den Fortschritt bei der Azubi-Übernahme als Erfolg aus. Parallel betonten sie aber übereinstimmend die unveränderten Differenzen bei der Leiharbeit. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa kreisten die Gespräche auch nach Stunden um das Thema Azubi-Übernahme und Nummer zwei der entgeltunabhängigen Themen - die Leiharbeit - stand nicht im Fokus.

Aus Sicht von IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann liegen die Positionen bei der Leiharbeit “meilenweit auseinander“. Auch das dritte, noch undiskutierte Ziel 6,5 Prozent mehr Geld berge nach wie vor Konfliktstoff. Sollten sich die Tarifparteien nicht merklich annähern, droht in der Schlüsselbranche der erste groß angelegte Arbeitskampf seit 2002. Bisher gibt es nur Warnstreiks. An ihnen hatten sich in Baden-Württemberg über 236 700 Metaller beteiligt. In dem Industriezweig arbeiten bundesweit 3,6 Millionen Beschäftigte.

Die IG Metall will das Verdienstplus sowie die Themen Leiharbeit und Azubi-Übernahme als Gesamtpaket durchboxen. “Auch wir Arbeitgeber sind dafür, dass so viel wie möglich Ausgebildete übernommen werden“, sagte Südwestmetall-Chef Rainer Dulger am Freitag und machte klar, dass der Fortschritt bei der Lehrlings-Übernahme groß sei. Bei der Leiharbeit hört sich sein Fazit anders an. Zwar bestehe auch dort Einigkeit, dass es eine faire Entlohnung geben müsse. “Das darf aber nicht zulasten der Flexibilität in den Betrieben gehen“, betonte er.

Der unterschiedlich heftige Widerstand liegt in der Natur der Forderungen. Azubis sind die Fachkräfte von morgen - und bei denen droht bekanntlich ein Mangel. Den Nachwuchs langfristig zu binden und dabei nicht nur Jahrgangsbeste auszuwählen, dürfte den Arbeitgebern daher als das kleinere Übel erscheinen, zumal sich die Gewerkschaft schon kompromissbereit für mögliche Hintertürchen gezeigt hatte. So sollen nach bisherigem Beratungsstand Ausnahmen möglich sein, wenn Betriebe über Bedarf ausbilden oder einige Lehrlinge Probleme machen.

Zugeständnisse bei der Leiharbeit sind da ein anderes Kaliber. Dort geht es weniger um die Frage einer besseren Bezahlung für die befristet ausgeliehenen Arbeitskräfte - dabei stehen die Arbeitgeber ohnehin parallel in Tarifverhandlungen. Es geht darum, wie flexibel die Chefetagen dank ausgeliehener, günstigerer Arbeitskraft auf etwaige Auftragsspitzen reagieren können. Und darum, wie sich der Kostenfaktor einer tariflich bezahlten Stammbelegschaft entwickelt. Die Arbeitgeberseite pocht an diesem Punkt auf die Unabhängigkeit unternehmerischer Entscheidungen - es gehe um Wettbewerbsfähigkeit.

Sollte die IG Metall nun etwa durchboxen, dass die Betriebsräte Umfang, Dauer und Bezahlung von Leiharbeit künftig mitbestimmen, wäre das ein tiefer Einschnitt für die Arbeitgeber und ein deutlicher Machtgewinn für die Arbeitnehmer. Entsprechend verhärtet sind die Fronten. Hofmann dämpfte daher auch die Erwartungen: “Wir sind in einigen Punkten etwas nähergekommen. Das teile ich. Gerade bei der Frage der unbefristeten Übernahme.“

Die Leiharbeit bleibe aber das umstrittenste Thema. “Das wird auch jetzt der zentrale Punkt sein, wo wir weiter darauf beharren, dass diese Fragen geklärt sind, bevor wir dann bei der auch noch offenen und mit viel Konflikt verbundenen Entgeltfrage in Gespräche kommen.“ Einen schnellen Abschluss erwarte er daher nicht. “Ich sehe das immer noch mit großem Zweifel.“ Auch IG-Metall-Chef Huber zeigte sich nur vorsichtig zuversichtlich. “Ich bin immer optimistisch“, sagte er der dpa.

Die IG Metall hatte bereits klargestellt, dass die Wende am Freitag hermüsse, um ein Scheitern noch abzuwenden und damit Urabstimmungen über unbefristete Streiks. Dulger warnte: “Beim jetzigen Verhandlungsstand wäre ein Streik verantwortungslos und leichtfertig.“ Die Gewerkschaft fordert ferner 6,5 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber bieten für 14 Monate 3 Prozent mehr Geld.

dpa

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