IG Metall verlangt Gehaltsplus von acht Prozent

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Frankfurt/Main (dpa) - Mit der höchsten Forderung seit 16 Jahren geht die IG Metall in die Tarifverhandlungen für die deutsche Metall- und Elektroindustrie.

Der Vorstand der Gewerkschaft beschloss trotz der sich weiter abschwächenden Konjunktur und der Weltfinanzkrise die Forderung nach 8,0 Prozent mehr Entgelt für die 3,6 Millionen Beschäftigten der wichtigsten deutschen Industriebranche. Sie liegt am oberen Ende des vor zwei Wochen vorgestellten Forderungskorridors. Die von Gewerkschaftschef Berthold Huber am Dienstag in Frankfurt vorgestellte Zahl stieß umgehend auf scharfen Widerspruch bei Arbeitgeber- und Industrieverbänden.

Huber begründete die höchste Forderung seit 1992, als die Gewerkschaft 9,5 Prozent mehr verlangt hatte, mit der robusten wirtschaftlichen Situation der Branche und der fehlenden Verteilungsgerechtigkeit. "Ja, acht Prozent gehen zu Lasten der Gewinne, daraus machen wir keinen Hehl. Es geht um mehr Gerechtigkeit", erklärte der Gewerkschaftschef.

Aus den niedrigeren Konjunkturprognosen dürfe man nicht den falschen Schluss ziehen, dass die deutsche Metall- und Elektroindustrie als "stärkste Exportlokomotive der Welt" seine Beschäftigten nicht mehr anständig entlohnen könnte, sagte Huber. "Es ist unterstes Niveau der Arbeitgeber, die Menschen ständig mit dem Verlust ihrer Arbeitsplätze und damit ihrer Existenz zu bedrohen."

Die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise könne er noch nicht abschließend einschätzen, sagte Huber. "Es geht nicht an, dass diejenigen, die dieses Desaster verantwortet oder durch Nichtstun zugelassen haben, jetzt den Menschen sagen: 'Ihr dürft am wirtschaftlichen Aufschwung nicht teilhaben'." Huber verwies auf die Stabilität des deutschen Bankensystems sowie auf die in den vergangenen Jahren gestiegene Eigenkapitalquote der M+E-Unternehmen.

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser kritisierte die Tarifforderung angesichts der kritischen Konjunktursituation als wirklichkeitsfremd. "In der Weltwirtschaft wird es immer brenzliger und die IG Metall tut so, als ob wir noch mitten im schönsten Aufschwung wären und eine kritische konjunkturelle Umbruchsituation genau der richtige Zeitpunkt für drohende Arbeitskonflikte sei", sagte er am Dienstag in Berlin.

Die Gewerkschaft setze die Weltmarktfähigkeit der Betriebe und die Sicherheit der Arbeitsplätze leichtfertig aufs Spiel, wenn sie mit der höchsten Entgeltforderung seit 16 Jahren auftrete, meinte Kannegiesser. Ihm bereite Sorgen, dass die IG Metall bereits mehrere Streikwellen angekündigt habe. Er forderte die Arbeitnehmerseite auf, den Blick nach vorne auf das zu richten, "was 2009 notwendig und machbar ist." Oberstes Gebot sei jetzt, die Weltmarktsituation zu verteidigen.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hielt der IG Metall vor, die gesamte wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland zu bedrohen. Er forderte die Gewerkschaft auf, die Tarifauseinandersetzung nicht eskalieren zu lassen. "Die zunehmenden wirtschaftlichen Risiken erfordern dringender den je eine schnelle und vor allem für alle Betriebe verkraftbare Lösung."

Der Geschäftsführer des Maschinenbauverbandes VDMA, Hannes Hesse, hielt der Gewerkschaftsspitze Realitätsverlust vor. "Die IG-Metall- Spitze nimmt offenkundig nicht wahr, was in dieser Welt vor sich geht. Anders kann ich mir die exorbitante Forderung von acht Prozent nicht erklären." Diese sei nicht von stichhaltigen Argumenten gedeckt. Die IG Metall schüre bei ihren Mitgliedern nicht erfüllbare Hoffnungen. Der VDMA halte Einmalzahlungen für ein geeignetes Mittel, Arbeitnehmer angemessen am Erfolg ihres Unternehmens zu beteiligen. Diese waren zuvor vom IGM-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer als ungenügendes Mittel abgelehnt worden.

Die Friedenspflicht in der Branche endet am 31. Oktober. Erste Verhandlungen für die Mittelgruppe (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) sind am 2. Oktober in Darmstadt geplant, die übrigen sechs Bezirke folgen in schneller Reihenfolge.

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