IG Metall will Electrolux die Bilanz vermiesen

- Nürnberg/Brüssel - Knapp eine Woche nach Beginn des Arbeitskampfes um das vor dem Aus stehende AEG-Werk in Nürnberg ist der Streikwille ungebrochen. "Wir werden den Streik noch lange aufrechterhalten", sagte der IG-Metall-Streikleiter Jürgen Wechsler in Nürnberg. Die Gewerkschaft habe im Gegensatz zu Electrolux-Konzernchef Hans Straberg kein Interesse, den Konflikt schnell beizulegen. Ziel sei, den Standort mit 1700 Beschäftigten zu erhalten.

Nach Wechslers Angaben wird Straberg auf der Konzern-Bilanzpressekonferenz am 14. Februar in Stockholm ein hervorragendes Ergebnis und hohe Gewinne präsentieren. Bis dahin werde in Nürnberg weiter Druck aufgebaut. Electrolux hatte im Dezember angekündigt, das Hausgerätewerk Ende 2007 zu schließen und die Produktion von Waschmaschinen und Geschirrspülern nach Polen und Italien zu verlagern.

Bislang sei der Streik völlig problemlos verlaufen. Von Freitag (27. Januar) an beteiligen sich auch die 80 Nürnberger Beschäftigten der AEG-Tochter Logistics. Mit Schichtbeginn 6.00 Uhr werde das Nürnberger Zentrallager am Hafen blockiert. Von Montag an soll dann das Zentrallager in Dormagen bei Köln in den Ausstand einbezogen werden.

Keine EU-Mittel für Verlagerung nach Polen

In der von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) angestoßenen Debatte um eine strengere Kontrolle bei der Vergabe von EU-Mitteln meldete sich am Donnerstag Electrolux selbst zu Wort. Ein Sprecher erklärte, es gebe "keine EU-Mittel für uns in Polen". EU-Regionalkommissarin Danuta Huebner bestätigte die Angaben. In Polen sei kein Geld aus EU-Fonds an Electrolux geflossen.

Am Freitagnachmittag will der Deutsche Gewerkschaftsbund ein großes Streikfest für die AEG-ler ausrichten. Der mittelfränkische DGB-Vorsitzende Stephan Doll rief die Bevölkerung dazu auf, Arbeitskleidung bei den Streikposten abzugeben. Die Stücke sollten dann zum Protest am Werkszaun befestigt werden.

Doll forderte außerdem die Einführung eines europäischen Streikrechtes. Der Generalsekretär des Europäischen Metallgewerkschaftsbundes, Peter Scherer, sagte, Electrolux verfolge die Strategie, einzelne Werke gegeneinander auszuspielen. Die Schweden bauten neue Werke gezielt in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit und niedrigen Löhnen sowie niedrigem gewerkschaftlichem Organisationsgrad.

Unterdessen nimmt die Zahl der Unterstützer täglich zu. Am Donnerstag solidarisierten sich die bayerischen Abgeordneten der SPD-Bundestagsfraktion mit den Streikenden. Sie kündigten an, dass die Politik ihren ganzen Einfluss geltend machen werde, "um Electrolux zu einer Revision des Schließungsbeschlusses zu bewegen".

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