Metall-Arbeitgeber zur Lohnrunde 2006: Kein Ausgleich der Inflation

- München - Wie hoch dürfen die Löhne steigen? Gegenüber der Fünf-Prozent-Forderung der IG Metall haben die bayerischen Metallarbeitgeber eine harte Gegenposition festgezurrt: Um 1,1 Prozent sei die gesamtwirtschaftliche Produktivität gewachsen, skizzieren Verhandlungsführer Helmut Keese und VBM-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt gegenüber unserer Zeitung ihren Spielraum.

Demnach gäbe es in diesem Jahr keinen Inflationsausgleich. "Die Hauptursache der Inflation liegt in den enorm gstiegenen Energiepreisen. Dafür können die Unternehmen nicht verantwortlich gemacht werden", sagt Keese. Die bayerische IG Metall sieht das naturgemäß anders: Der Produktivitätsfortschritt sei noch nicht festgestellt, sagt deren Sprecher Siegfried Hörmann. Er liege voraussichtlich höher. Zum anderen will die Gewerkschaft auch die Geldentwertung berücksichtigt wissen.

"Ein Unternehmen produziert nur, weil es Gewinn machen will, und investiert nur, wenn es Gewinn macht." Helmut Keese VBM-Verhandlungsführer

Die Runde dürfte also hart werden. Denn selbst für die 1,1 Prozent fordert der VBM-Verhandlungsführer Entgegenkommen der Gewerkschaft: "Wir möchten Impulse für Unternehmen, die in der Lage sind, Arbeitsplätze zu schaffen oder einen vorgesehenen Personalabbau nicht durchzuführen." Diese sollen, so Keese, "auf der Lohnkostenseite einen gewissen Vorteil haben". Und dies solle von den Betriebspartnern gemacht werden.

Das bedeutet: Lohnverzicht gegen sicherere Arbeitsplätze. Betroffen sind vor allem die unteren Tarifgruppen, bei denen es in erster Linie um ungelernte oder angelernte Arbeitskräfte geht. Diese würden, so Keese, als erste wegrationalisiert, weil sie durch Maschinen ersetzt werden oder einfach ins Ausland verlagert werden können.

Eine "knackige Lohnrunde" wäre in den Augen der Arbeitgeber "kontraproduktiv", weil dann keiner mehr auf die Idee kommt, Arbeitsplätze in den untersten Gruppen zu schaffen. Doch gerade in diesem Bereich stehen sich ein hohes Angebot an Arbeitskräften und eine immer geringere Nachfrage unversöhnlich gegenüber. Und der Nachwuchs bleibt nicht aus: 25 Prozent der Schulabgänger seien nicht bildungsfähig oder bildungswillig, zitiert Keese amtliche Zahlen. "Dabei geht es um Menschen, die man auf Jobs qualifizieren muss, die sich um 1500 Euro im Monat bewegen", sagt Brossardt.

Zweiter Problemfall ist die Fortbildung: Es sei auch Aufgabe von Unternehmen, so Keese, ältere Menschen wieder zum Lernen anzulernen. Lösungen müssen auch in diesem Bereich in den Betrieben organisiert werden.

Immerhin 1,8 Millionen Arbeitslose sind angelernte und ungelernte Kräfte. Mit Facharbeiterbrief sei die Gefahr, arbeitslos zu werden, weit geringer. Doch komme es bei Bildung nicht nur auf die Papierform an. "Wir bewerten die Arbeit", sagt Keese, langjähriger Personalvorstand der Nürnberger Diehl-Gruppe. "Wo einer das her hat, ist nicht so wichtig."

"Echte Solidarität bedeutet, dass wir unser Beschäftigungssystem und unser Sozialsystem umbauen." Bertram Brossardt VBM-Hauptgeschäftsführer

Was können Arbeitnehmer zur Sicherung ihrer Arbeitsplätze betragen? "Wir müssen Unternehmen die Möglichkeit geben, zu atmen", sagt Keese. "Die Arbeitnehmer sind da eigentlich nicht dagegen. Die IG Metall läuft dagegen oft Sturm."

In den Augen der Gewerkschaften sind längere Arbeitszeiten eine indirekte Lohnkürzung. Dieses Argument lässt Keese nicht gelten. "Die Unternehmenseinheiten organisieren sich so, wie die Auftragslage ist. Alles, was darüber gearbeitet wird, geht aufs Arbeitszeitkonto. Das Lohnkonto bleibe konstant."

Trotz der Probleme mit der Verlagerung von Stellen sieht Keese den Standort Deutschland insgesamt nicht auf dem Rückzug. Wichtig sei Innovation. Selbst wenn im Ausland produziert werde, finde die intellektuelle Wertschöpfung überwiegend in Deutschland statt. "Mit jeder neuen Technologie schaffen wir die Chance auf zusätzliche Arbeitsplätze."

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