In Metallbranche droht Eskalation

- Berlin/Sindelfingen - Im Tarifkonflikt in der deutschen Metall- und Elektroindustrie mit seinen 3,4 Millionen Beschäftigten droht eine Eskalation. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser unterstrich am Mittwoch in Berlin, die Arbeitgeber würden auch in der dritten Runde Ende März kein Angebot zu höheren Einkommen machen.

Die IG Metall betonte am selben Tag in Sindelfingen und Hamburg ihre Kampfbereitschaft. Sollten sich die Arbeitgeber bis zum Ende der Friedenspflicht am 28. März nicht bewegen, seien massive Warnstreiks die Folge. Die Gewerkschaft verlangt fünf Prozent höhere Löhne und Gehälter. IG-Metall-Chef Jürgen Peters sprach von einer "Verweigerungshaltung" und einem "absurden Theater" der Arbeitgeber, für die Millionen Beschäftigte kein Verständnis mehr hätten.

Erstmals legten die Arbeitgeber am Mittwoch öffentlich ein Modell für Beschäftigungsaufbau vor. Der Vorschlag soll Betrieben längere Arbeitszeiten ermöglichen, im Gegenzug müssten sie zusätzliches Personal einstellen. Das Vorhaben sollte nach den Vorstellungen von Gesamtmetall als Angebot und "Anreiz" für die Unternehmen im Flächentarifvertrag verankert werden.

Die IG-Metall-Führung in Baden-Württemberg stimmte die Basis auf eine harte Verhandlungsrunde ein. Der Bezirksleiter der IG Metall, Jörg Hofmann, sagte vor der Großen Tarifkommission in Sindelfingen: "Wir sind kampfbereit. Wenn die Arbeitgeber die Kraftprobe in den Betrieben wollen, gehen wir dem nicht aus dem Weg." Verärgert zeigte sich Hofmann, dass die Arbeitgeber auf die Forderung von fünf Prozent für die 800 000 Metallbeschäftigten im Südwesten "bisher nicht das geringste Entgegenkommen" gezeigt hätten. Die IG Metall in Norddeutschland will den Druck dadurch erhöhen, dass die Betriebsräte keine Überstunden mehr genehmigen. In Baden-Württemberg und im Bezirk Küste wird am 27. März in dritter Runde verhandelt.

Der Bundesverband deutscher Banken warnte unterdessen vor den Folgen langer Streiks und zu hoher Tarifabschlüsse. "Im Falle überzogener Tarifabschlüsse und länger anhaltender Streiks" müsse die Prognose für einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um 150 000 Menschen in diesem Jahr nach unten korrigiert werden, heißt es im jüngsten Monatsbericht des Verbandes.

Nach dem Modell der Arbeitgeber würden in einem Unternehmen, das seine Mitarbeiterzahl "dauerhaft" aufstockt, die Beschäftigten ohne zusätzliche Bezahlung länger arbeiten. Pro Prozent Zuwachs an Arbeitsplätzen müssten alle in der Firma oder der Betriebseinheit tätigen Mitarbeiter zehn Minuten pro Woche mehr arbeiten.

Der Vorsitzende des Verbandes der Metallindustrie in BadenWürttemberg, Otmar Zwiebelhofer, erläuterte in Berlin, so könnten die Kosten gesenkt und Produkte und Dienstleistungen konkurrenzfähiger am Markt angeboten werden. Mit ihrem "Solidarbeitrag", länger zu arbeiten, produzierten die Arbeitnehmer bei diesem Modell mehr Beschäftigung.

Zwiebelhofer sagte, anders als bei dem Pforzheimer Abkommen zur Standortsicherung aus dem Jahre 2004 solle die neue Möglichkeit allen Unternehmen offen stehen, ohne dass jeweils ein Ergänzungstarifvertrag abgeschlossen werden müsse. Als andere mögliche Komponente des neuen Tarifvertrags nannte der nordrheinwestfälische Arbeitgeberpräsident Michael Jäger die Variante, Teile der Mitarbeiter-Einkommen am Erfolg des Unternehmens zu orientieren.

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