Metaller drohen mit "härterer Gangart"

- Berlin/München - Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie verhärtet sich nach mehreren Warnstreik-Tagen der Ton. Die IG Metall forderte in scharfen Worten ein neues Arbeitgeberangebot. Die Beschäftigten hätten mehr verdient als Almosen, sagte IG-Metall-Chef Jürgen Peters.

<P>Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser betonte dagegen, die Arbeitgeber erwarteten "konkrete Antworten" auf ihren bisherigen Vorschlag. "Eine pauschale Zurückweisung hilft uns allen nicht weiter", sagte er der "Berliner Zeitung".</P><P>Peters forderte ein "faires" Angebot, "das einen Kompromiss ermöglicht und nicht den Konflikt provoziert". Die Gewerkschaft wolle keinen Arbeitskampf, allerdings werde man auch keiner Auseinandersetzung ausweichen. Er sprach vor mehr als 1000 Betriebsräten und Vertrauensleuten aus dem IG-Metall-Bezirk Nordrhein-Westfalen zur Einstimmung auf die "heiße Phase" des Tarifstreits. Seit Ende der Friedenspflicht in der Nacht zum Donnerstag versucht die IG Metall, mit Warnstreiks Druck auf die Arbeitgeber zu machen.</P><P>CSU-Parteichef Edmund Stoiber forderte die Gewerkschaften zu Zurückhaltung auf. Deutschland habe schon jetzt mit das höchste Lohnniveau und die geringste Arbeitszeit in der OECD und in der EU, sagte der bayerische Ministerpräsident der "Passauer Neuen Presse". </P><P>Kannegiesser kritisierte die Warnstreiks scharf. Sie richteten "erhebliche volkswirtschaftliche Schäden an, die in der derzeitigen Situation nicht zu verantworten sind". </P><P>Für die IG Metall sei das vorliegende Angebot der Arbeitgeber nicht verhandlungsfähig, da es über kurz oder lang die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich bedeuten würde, sagte Peters-Vize Berthold Huber vor Gewerkschaftern.</P><P>Kannegiesser sagte, die Darstellung, die Arbeitgeber wollten eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich durch die Hintertür einführen, sei falsch. "Mehrarbeit ohne zusätzliche Bezahlung wird auch in Zukunft die Ausnahme bleiben." Beim Arbeitgeberangebot müsse berücksichtigt werden, dass es in der Metall- und Elektroindustrie in den vergangenen drei Jahren kein Wachstum gegeben habe.</P><P>Die Arbeitgeber haben eine zweistufige Einkommenserhöhung um je 1,2 Prozent verteilt auf 27 Monate angeboten. Voraussetzung ist die Möglichkeit, die wöchentliche Arbeitszeit bis auf 40 Stunden anzuheben - auch ohne Lohnausgleich. Die IG Metall lehnt dies strikt ab. Die Gewerkschaft fordert vier Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.</P><P>Peters bezeichnete das Angebot als Frechheit und Provokation. Auch die Forderung nach einer Verlängerung der Arbeitszeit sei eine Zumutung und grober Unfug. Rein rechnerisch seien von der Forderung 400 000 Arbeitnehmer betroffen. "Wir lassen uns die 35-Stunden-Woche nicht nehmen", betonte Peters. Nach dem Ende der Friedenspflicht stelle er fest, dass die Arbeitgeber die harte Gangart wollten. "Noch ist es so: Millionen sind stärker als Millionäre", schloss Peters seine Rede.</P>

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