Metaller legen Stahlproduktion teilweise lahm

- Duisburg/Dortmund (dpa) - Im Tarifstreit um höhere Löhne in der Stahlindustrie haben Metaller die Produktion in Nordrhein-Westfalen teilweise zum Erliegen gebracht. 6300 Stahlarbeiter haben sich nach Gewerkschafts-Angaben an Warnstreiks in 18 Betrieben beteiligt. Der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters hofft indes auf eine Einigung in den Gesprächen am Donnerstag.

"Ich hoffe, dass die Verhandlungsführer auf der anderen Seite den Mut zu einem Kompromiss am Verhandlungstisch haben", sagte er. Die wirtschaftliche Lage der Unternehmen biete den Spielraum, die Forderungen der IG Metall zu erfüllen.

Die Gewerkschaft erwartet jetzt in der 4. Tarifrunde für die 85 000 Beschäftigten der Eisen- und Stahlindustrie in NRW, Niedersachsen und Bremen am Donnerstag ein Signal der Arbeitgeber. "Mit dem bisherigen Angebot von 3 Prozent auf 19 Monate und 500 Euro Einmalzahlung ist noch keine Teilhabe an der Produktions- und Gewinnsteigerung auf den Tisch gekommen", sagte IG Metall-Sprecher Wolfgang Nettelstroth. Die Gewerkschaft fordert 7 Prozent mehr Lohn bei 12 Monaten Laufzeit.

Peters betonte, bei den Verhandlungen gehe es nicht nur um quantitative Forderungen, sondern auch um eine qualitative Diskussion. So müsse älteren Arbeitnehmern ein geordneter Rückzug aus dem Arbeitsleben ermöglicht werden. Angesichts einer hohen Jugendarbeitslosigkeit ermahnte er zur Generationengerechtigkeit.

Den Start für die bislang umfassendsten Warnstreiks in der laufenden Verhandlungsrunde machten die Stahlwerker in der Nacht in der Stahlhochburg Duisburg. Um vier Uhr ließen sie in zwei Hochöfen von ThyssenKrupp für Stunden die Produktion vorübergehend herunterfahren. Um sechs Uhr folgten Stahlwerke von ThyssenKrupp und Mittal Steel, in denen Eisen zu Stahl verarbeitet wird. 3000 der 3500 warnstreikenden Stahlarbeiter in Duisburg beteiligten sich anschließend an einer Kundgebung vor den Werkstoren. Ein Sprecher von ThyssenKrupp Steel betonte, die Produktion in den Werksteilen sei beeinträchtigt gewesen, sei aber nicht zum Stillstand gekommen.

An weiteren Standorten in Bochum, Dortmund, Düsseldorf und Leverkusen gingen insgesamt weitere knapp 3000 Arbeiter in Stahlbetrieben auf die Straße, davon 1600 in Bochum.

Vor der 4. Verhandlungsrunde in Essen will die IG Metall die Warnstreiks auf Niedersachsen (Salzgitter, Peine) und Bremen ausdehnen. In NRW sind Warnstreiks in Krefeld, Hagen und Remscheid geplant. Die ebenfalls für Mittwoch angekündigten Warnstreiks in der ostdeutschen Stahlindustrie werden um einen Tag verschoben.

Die Planung der Aktionen habe mehr Zeit in Anspruch genommen als veranschlagt, sagte der Sprecher der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, Bernd Kruppa, der dpa. Auch hier will die IG Metall für die 8000 Beschäftigten 7 Prozent mehr Geld. Die Gespräche in Ostdeutschland sollen am 21. September fortgesetzt werden.

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