Metaller suchen Kraftprobe: Heute sollen 30 000 streiken

- München - Kaum ist die Stillhaltepflicht abgelaufen, rollte die Streikwelle auch in Bayern los. Etwa 1400 aufgebrachte Metaller gingen kurz nach Mitternacht vor allem in München und Schwaben auf die Straße und protestierten lautstark für fünf Prozent mehr Lohn. "Fünf Prozent mehr - das ist fair", skandierten die Streikenden vor dem Epcos-Werkstor in München immer wieder.

Die Nachtschicht des Bauelementespezialisten legte für eine Stunde die Arbeit nieder. "Jetzt machen wir Druck", rief der IG-Metall-Bevollmächtigte Horst Lischka der Menge zu.

Zu den rund 250 streikenden Epcos-Mitarbeitern gesellten sich wenige Minuten nach Ende der Friedenspflicht auch mehr als 100 Beschäftigte von Bosch und Infineon. Insgesamt beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben bis zum Mittag rund 10 000 Beschäftigte.

Die IG Metall will heute die Warnstreiks in Bayern ausdehnen. An den Arbeitsniederlegungen sollen sich knapp 30 000 Beschäftigte beteiligen. Allein bei BMW in Dingolfing und Landshut sollen 15 000 Menschen die Arbeit zeitweise ruhen lassen. Auch die EADS in Augsburg, Eurocopter in Donauwörth und Bosch Siemens in Rosenheim sind betroffen.

"Die hohe Beteiligung ist eine klare Ansage an die Arbeitgeber, endlich ein Angebot auf den Verhandlungstisch zu legen", sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Plakate mit Slogans wie "Gute Arbeit für gerechte Bezahlung" und "Wir wehren uns" zeigen den Ärger über die verfahrene Situation im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie. "Die Unternehmen verdienen Milliarden, die Gehälter der Manager werden erhöht und wir sollen auf der Strecke bleiben. Das ist eine Frechheit", ereiferte sich ein 50 Jahre alter Münchner, der seit 20 Jahren bei Bosch beschäftigt ist.

Allein bei BMW in Regensburg zählte die Gewerkschaft 2800 Teilnehmer. Für gut eine Stunde standen die Bänder still, etwa 90 Autos konnte BMW deswegen nicht bauen. Ähnlich sieht es am Morgen bei Siemens VDO in Würzburg aus, wo die 100 Beschäftigten der Frühschicht die Arbeit niederlegten. "Die Stimmung ist kämpferisch", sagte Werner Ring von der IG Metall Würzburg. Falls es nicht bald ein Angebot der Arbeitgeber gebe, werde die Situation weiter eskalieren.

Die Arbeitgeber ihrerseits werfen den Streikenden "organisierte Kraftmeierei" vor. "Mit den Ritualen von gestern lösen wir aber nicht die wirtschaftlichen Probleme des 21. Jahrhunderts", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie, Bertram Brossardt. Das von den Arbeitgebern vorgelegte Angebot zur Lösung des Tarifstreits sei "konstruktiv und innovativ", versichert Brossardt. Das sehen die Metaller anders und suchen jetzt die Kraftprobe mit den Arbeitgebern, nachdem bisher drei Verhandlungsrunden ohne Ergebnis blieben.

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