Metaller wollen mehr als sieben Prozent

In der Metall- und Elektroindustrie zeichnet sich eine Tarifforderung von deutlich mehr als sieben Prozent ab.

Am Mittwoch votierten die Tarifkommissionen der beiden IG-Metall-Bezirke Nordrhein-Westfalen und Frankfurt für Lohnforderungen "zwischen 7 und 8 Prozent" beziehungsweise "7 Prozent plus x", wie die Gewerkschaft mitteilte.

Die Gewerkschafter aus dem bundesweit drittgrößten Bezirk NRW (700 000 Beschäftigte) sowie aus der auf Platz vier liegenden Mittelgruppe Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen (430 000) hatten als erste der sieben Bezirke über die anstehende Forderung beraten. Am kommenden Montag will die Gewerkschaftsspitze in Frankfurt ihre Forderungsempfehlung für die Branche mit rund 3,4 Millionen Beschäftigen bekanntgeben. Beschlossen werden soll sie am 23. September. Die Verhandlungen sollen am 2. Oktober zunächst in der Mittelgruppe beginnen. Die Friedenspflicht endet bundesweit am 31. Oktober.

"7 plus x" sei ein guter Orientierungspunkt, zumal die Forderung durchsetzbar bleiben müsse, sagte der Frankfurter Bezirksleiter Armin Schild. Die Kollegen hätten bei der Sitzung im pfälzischen Frankenthal von Rekordgewinnen, guter Auftragslage und hoher Auslastung ihrer Betriebe berichtet. In dem Abschluss solle zudem eine soziale Komponente für die Empfänger der niedrigsten Löhne enthalten sein, die unter der besonders hohen Inflation für Güter des täglichen Gebrauchs litten.

Der NRW-Bezirksleiter Oliver Burkhard sagte: "In den Betrieben wird mit höchster Auslastung gearbeitet, die Erträge sind gut." Für 2009 werde ein Wachstum von 4 bis 5 Prozent erwartet. Außerdem mache die Inflationsentwicklung erheblichen Druck auf die Beschäftigten. Burkhard: "Deshalb werden wir mehr fordern, und wir wollen mehr durchsetzen als 2007".

Die IG Metall war 2007 mit einer Forderung von 6,5 Prozent in diese Tarifrunde gegangen und hatte am Ende Lohnzuwächse von 4,1 Prozent in den ersten zwölf Monaten der Laufzeit durchgesetzt. In den anstehenden Verhandlungen will die Gewerkschaft außerdem die Arbeitgeber auffordern, die Lage der Leiharbeitnehmer zu verbessern. In den Betrieben dürfe es keine Beschäftigten erster und zweiter Klasse gegeben.

Die Arbeitgeberverbände reagierten mit Unverständnis auf die Überlegungen. Es gehe in der Tarifrunde 2009 darum, die rund 240 000 neuen Arbeitsplätze in der Branche im Abschwung zu sichern, meinte Hessenmetall-Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender in Frankfurt. "Wir verhandeln für die Zukunft und nicht für die Vergangenheit", erklärte der Verhandlungsführer der NRW-Metallarbeitgeber, Horst- Werner Maier-Hunke. Er wies auf die sich abkühlende Konjunktur und den Abwärtstrend in einigen Branchen hin - auch wenn dies noch kein Grund zur Panik sei. Die Umsetzung einer überhöhten Forderung könnte nur "äußerst kurzfristig" für die Beschäftigten von Vorteil sein.

In einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Rundschau" hat IG-Metall-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer die Lohnforderungen verteidigt. "Der Aufschwung ist nahezu spurlos an den Beschäftigten vorbei gezogen", schrieb sie. Trotz erfolgreicher Tarifabschlüsse gelte dies auch für die Metall- und Elektroindustrie. Dort seien die Tariflöhne im vorigen Jahr um 3,9 Prozent gestiegen, die tatsächlich gezahlten Bruttolöhne dagegen nur um 1,8 Prozent, denn viele Betriebe hätten übertarifliche Leistungen abgebaut. Die Schere zwischen Gewinn- und Lohnentwicklung gehe immer weiter auseinander.

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