Trend gesetzt

Metallindustrie: Dickstes Lohnplus seit Jahrzehnten

München/Stuttgart - Der erste große Tarifabschluss 2015 in der Metall- und Elektroindustrie setzt Zeichen für künftige Lohnzuwächse in Deutschland.

„Der Pilotabschluss von 3,4 Prozent ist eine Marke, die man jetzt nicht abschreiben, aber sich genau anschauen wird“, sagte der Tarifexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, Reinhard Bispinck.

Die 3,7 Millionen Beschäftigten der Schlüsselbranche erhalten vom 1. April 2015 an 3,4 Prozent mehr Geld. Für die ersten drei Monate kommt noch eine Einmalzahlung von 150 Euro hinzu, was im Gesamtjahr nach Mitteilung der Arbeitgeber ein Plus von knapp 3,6 Prozent bringt. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich 5,5 Prozent mehr Geld gefordert.

Unmittelbare Signalwirkung sieht der Gewerkschafts-Tarifexperte Bispinck insbesondere für die bereits laufenden Verhandlungen in der chemischen Industrie, aber auch für den öffentlichen Dienst der Länder. Am Jahresende werde für viele Arbeitnehmer ein kräftiges reales Plus übrigbleiben. Laut der jüngsten WSI-Studie haben die Reallöhne in Deutschland erstmals wieder das Niveau der Jahrtausendwende erreicht. Ende 2014 lagen demnach die durchschnittlichen Bruttolöhne je Beschäftigtem preisbereinigt um 1,4 Prozent höher als im Jahr 2000. Am Tiefpunkt im Jahr 2009 hätten die realen Bruttolöhne um 4,3 Prozent niedriger gelegen als im Jahr 2000.

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer betonte hingegen, dass sich der Abschluss keineswegs auf die ganze Wirtschaft übertragen lasse. Der Metalltarif bildet erfahrungsgemäß die Obergrenze. Für den Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie, Bertram Brossardt, ist der Tarifabschluss „ein schmerzhafter Kompromiss“, der deutlich an die Belastungsgrenze der Unternehmen gehe. „Das ist die höchste Reallohnsteigerung seit 19 Jahren“, sagte Brossardt. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall habe aber die Übernahme des Pilotabschlusses aus Baden-Württemberg empfohlen.

Rubriklistenbild: © dpa

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