Metalltarif: Betriebe nutzen Spielraum kaum

- München - Der Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie gilt als Revolution. Erstmals konnte ein Teil des Gehalts in den Unternehmen individuell ausgehandelt werden. Zusätzlich zur prozentualen Lohnsteigerung von drei Prozent ab Juni erhalten die Beschäftigten für die Monate März bis Mai eine Einmalzahlung von grundsätzlich 310 Euro, die je nach Lage des Betriebs auf null gestrichen oder auch auf 620 Euro verdoppelt werden kann.

 Doch die wenigsten Unternehmen nutzen den Spielraum aus. "Der bei weitem überwiegende Teil zahlt 310 Euro", erklärte ein Sprecher der IG Metall gegenüber dieser Zeitung. Bei den Betrieben, die vom Standardsatz abweichen, zeige der Trend eher nach oben. "Die Unternehmen, die weniger zahlen, sind Ausreißer", sagte der Sprecher. Auch beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall geht man davon aus, dass "die Mehrzahl der Unternehmen den Regelfall wählt und 310 Euro zahlt", sagte ein Sprecher.

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie, erklärte: "Wir können feststellen, dass maximal 20 Prozent der Firmen von der Flexibilisierung Gebrauch machen. Wir hatten eine höhere Nutzung dieses Spielraums erwartet." Mit der Klausel sei aber eine Tür aufgestoßen worden. "Wir hoffen, dass die Flexibilisierung in den nächsten Tarifrunden ausgebaut wird."

Bei Siemens, nach Daimler-Chrysler und Volkswagen der drittgrößte Arbeitgeber der Branche in Deutschland, wird auch in erfolgreichen Konzernteilen offenbar nicht von den 310 Euro abgewichen. "An etlichen Standorten, deren gute bis hervorragende wirtschaftliche Lage den örtlichen Betriebsrat veranlasste, eine über dem Richtwert von 310 Euro liegende Einmalzahlung zu fordern, ist er auf taube Ohren gestoßen", heißt es bei der IG Metall. Bei BMW beträgt die Einmalzahlung ebenfalls 310 Euro, wie eine Sprecherin erklärt. Der Autobauer beteiligt seine Mitarbeiter über eine eigene Bonuszahlung bereits am Unternehmenserfolg - heuer in Höhe von bis zu 157 Prozent eines Monatsgehalts.

Der Autozulieferer Webasto aus Stockdorf (Landkreis Starnberg) hat die Einmalzahlung auf 155 Euro halbiert. Webasto hatte kürzlich mitgeteilt, dass sich der operative Gewinn im vergangenen Jahr trotz steigender Umsätze nahezu halbiert habe. Auch für heuer sei keine Besserung zu erwarten.

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