Metall-Tarif: Nun droht Streik

- München - Die Metall-Tarifrunde für bundesweit rund 3,4 Millionen Beschäftigte tritt diese Woche in ihre entscheidende Phase. Unmissverständlich hat die IG Metall klar gemacht, dass es nun entscheidende Fortschritte bei den Verhandlungen geben muss, soll Deutschlands Schlüsselindustrie von einem unbefristeten Streik verschont bleiben. Die Vorstellungen der Tarifparteien liegen meilenweit auseinander.

Selten redeten die Tarifparteien so aneinander vorbei wie in der diesjährigen Tarifrunde. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld und eine neue Vereinbarung über vermögenswirksame Leistungen. Dazu soll ein Tarifvertrag kommen, der den Beschäftigten Mitspracherechte bei ihrer Weiterbildung sowie der Unternehmenspolitik in Bezug auf Innovationen einräumt.

Für die Arbeitgeber dagegen kommt ein solcher Tarifvertrag über Qualifizierung und Innovation nicht in Frage, und auf die Lohnforderung reagierte der Verband Gesamtmetall erstmals zweiteilig: Zum einen bot er eine Erhöhung um 1,2 Prozent an, die wie üblich in die Lohntabellen eingehen und damit immer weiter ausgezahlt würde. Teil zwei der Offerte sieht Einmalzahlungen vor, die in einem Rahmen bis zu 0,6 Prozent von Betrieb zu Betrieb einzeln ausgehandelt werden sollen.

Diese Einmalzahlungen sollen nach dem Willen der Arbeitgeber in jeder Tarifrunde neu festgelegt werden, je nachdem, was Konjunktur und die Lage der Betriebe hergeben. Während Gesamtmetall hierin einen entscheidenden Schritt in die Zukunft sieht, wittert die Gewerkschaft den Versuch einer grundlegende Wende in der Tarifpolitik.

Die Arbeitgeber ihrerseits beißen mit ihrer Forderung nach höheren Arbeitszeiten in Betrieben, die mehr Beschäftigte einstellen, bei der Gewerkschaft auf Granit.

So kompliziert die Ausgangslage auch sein mag, bis Donnerstag wird wohl eine Entscheidung gefallen sein: Kommt der erste Streik seit vier Jahren oder wird weiterverhandelt?

Schwer vorherzusehen ist diesmal der Ort der Entscheidung, denn das Rennen zwischen den IG-Metall-Bezirken um die prestigeträchtige Vorreiterrolle ist noch offen.

Der einflussreiche Bezirk Baden-Württemberg tut sich diesmal schwer; tobt hier doch neben dem Streit um Lohnprozente ein Zusatzkonflikt, in dessen Mittelpunkt die Steinkühlerpause genannten Erholzeiten für Bandarbeiter stehen. Zudem hat der Südwesten im Gegensatz zu anderen Bezirken bereits einen Qualifizierungs-Tarifvertrag.

Alle Augen blicken deshalb auf Nordrhein-Westfalen, wo heute zur sechsten Runde in den Verhandlungsring gestiegen wird. Bezirksleiter Detlev Wetzel werden Ambitionen auf ein Spitzenamt in der Frankfurter Gewerkschaftszentrale nachgesagt; ein Pilotabschluss oder der erste Abbruch der Verhandlungen wäre da zuträglich.

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