Metall-Tarifverhandlungen in kritischer Phase

Sindelfingen - Die entscheidende Tarifrunde in der deutschen Metall- und Elektroindustrie ist in eine kritische Phase geraten. Die Gespräche gestalteten sich auch nach 18 Stunden weiter schwierig, sagte ein Sprecher der IG Metall am Mittwoch in Sindelfingen bei Stuttgart.

Aus Verhandlungskreisen hieß es, dass sich noch keine zügige Lösung abzeichne. "Wenn es bricht, dann schnell", hieß es. Falls es eine Einigung gebe, werde diese noch mehrere Stunden dauern. Zuvor hatte das Arbeitgeberlager Zuversicht verbreitet, dass der erste Streik der Schlüsselbranche seit sechs Jahren in letzter Minute abgewendet werden könne.

Nach Angaben aus Verhandlungskreisen umfasst ein möglicher Abschluss eine zweistufige Einkommenserhöhung, eine Einmalzahlung und eine längere Laufzeit als die von der Gewerkschaft zunächst geforderten 12 Monate. Außerdem sollen die Unternehmen mit wirtschaftlichen Problemen einzelne Teile des künftigen Tarifvertrages flexibel gestalten dürfen.

Ursprünglich hatte die IG Metall acht Prozent mehr Entgelt für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche verlangt - das ist die höchste Forderung seit 16 Jahren. Der Arbeitgeberverband Südwestmetall hatte 2,1 Prozent mehr Lohn und Gehalt für 2009 plus Einmalzahlungen angeboten. Zu Beginn des Treffens am Dienstagnachmittag hatten sich Hofmann und Roell sehr skeptisch geäußert und die Wahrscheinlichkeit für einen Durchbruch unter 50 Prozent taxiert.

Würden die Bemühungen um eine Lösung doch noch scheitern, könnte ein Streik bereits am 17. November beginnen. Der Ausgang der Verhandlungen soll am Mittwoch von den Großen Tarifkommissionen in allen sieben IG-Metall-Bezirken besprochen und bewertet werden. Sie können beim IG Metall-Vorstand beantragen, die Verhandlungen für gescheitert zu erklären und eine Urabstimmung über einen Streik einzuleiten.

Die Verhandlungsdelegationen hatten während der Gespräche zwar immer wieder Kontakt, berieten sich aber ausgiebig in ihren eigenen Gremien. Zur Unterstützung hatte die IG Metall ihren Vorsitzenden Berthold Huber zur Seite. Südwestmetall ließ sich von Gesamtmetall- Präsident Martin Kannegiesser beraten.

Die Metall- und Elektroindustrie ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Nach Angaben des Verbands Gesamtmetall erwirtschafteten die knapp 23 000 Betriebe 2007 einen Umsatz von zusammen 947 Milliarden Euro.

dpa

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