Methusalem-Police: Falle im Kleingedruckten

- München - Wer vor 10, 20 Jahren eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen hat, sollte das Kleingedruckte noch einmal genau nachlesen. Womöglich schlummert da eine "Methusalem"-Police im Ordner, eine für Verbraucher äußerst ungünstige Variante. "Viele hoffen auf ein hübsches Sümmchen ab 60 oder 65 Jahren - aber daraus könnte bis zum 70. Geburtstag oder noch später nix werden", warnt Arno Gottschalk, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale.

<P>Viele hoffen vergebens auf ein hübsches Sümmchen</P><P>Die so genannten Methusalem-Policen, die von ehrgeizigen Vermittlern in den 80-er und 90-er Jahren wegen der hohen Provision gern verkauft wurden, haben nämlich folgenden Pferdefuß: Die Versicherung ist meist bis zum 85. Lebensjahr ausgedehnt - mitunter sogar noch länger, wie Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen weiß. Dafür ist die Versicherungssumme in der Regel sehr hoch angesetzt, mit niedrigen Beiträgen für die Kunden. <BR>Normalerweise würde auch kein Mensch einen solchen Vertrag unterschreiben - wenn ihm der Vertreter die Konstruktion nicht mit einer Abrufklausel schmackhaft gemacht hätte. Danach soll der Vertrag nur theoretisch bis ins hohe Alter laufen. Tatsächlich wurde dem Kunden eine vorzeitige Auszahlung vorgerechnet, zum Beispiel zum 60. oder 65. Lebensjahr.<BR><BR>Wer sich auf die riskante Modellrechnung verlassen hat, steht nun erst mal mit leeren Händen da, sagt Lilo Blunck vom Bund der Versicherten (BdV). Weil sich die meisten Versicherer am Aktienmarkt mächtig verspekuliert haben und seit Jahren immer weniger Überschussbeteiligungen ausschütten, geht die Kalkulation bei der "Methusalem"-Variante nicht wie angenommen auf.<BR><BR>Wer in seiner Schublade tatsächlich so eine Police findet, sollte handeln. Will oder kann der Betroffene die längere Laufzeit nicht durchhalten, bleibt zunächst nur die Kündigung als Ausweg. Dabei fallen allerdings herbe Verluste an, wie Gottschalk errechnet hat.<BR><BR>Eine Alternative: wegen Falschberatung auf Schadenersatz klagen. Wer glaubt, über die Risiken von "Methusalem" damals nicht aufgeklärt worden zu sein oder keine klassische Police zur Auswahl gehabt zu haben, solle diesen Schritt rasch in Erwägung ziehen, rät Gottschalk. Wegen Ablaufs der gesetzlichen Verjährungsfrist können Schadenersatzforderungen wegen Falschberatung nach dem 31. Dezember 2004 nicht mehr gestellt werden.</P><P><BR> </P>

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