Metro AG kauft bei Fröschl ein

- München - "Sei kein Frosch, geh' zu Fröschl", lehrte einst die Werbung. Jetzt geht Fröschl selbst, und zwar zu Media Markt und Saturn. Der traditionsreiche Elektro-Einzelhändler wird zu einem großen Teil von der Media-Saturn-Holding, einer Tochter des Metro-Konzerns, gekauft. Acht Filialen sollen unter neuem Namen erhalten bleiben. Vier werden von den alten Filialleitern übernommen. Das Schicksal fünf weiterer Standorte ist offen.

<P>Seit Wochen hatte Metro, der deutsche Marktführer, über den Fröschl-Kauf verhandelt. Handelseinig war man sich im Grunde schon vor Weihnachten. Acht Filialen mit 235 Mitarbeitern werden Media- oder Saturn-Märkte. Darunter sind nach Informationen unserer Zeitung die Standorte München, Traunstein, Weilheim, Augsburg, Ansbach, Donauwörth und Memmingen. Die Geschäfte in Rosenheim, Mühldorf, Kaufbeuren und Straubing sollen von ihren Filialleitern übernommen werden und mit einem Kooperationspartner weitergeführt werden.</P><P>Für die übrigen fünf Läden muss der bisherige Besitzer, die niederländische Hagemeyer-Gruppe, andere Käufer finden oder sie schließen. Als wahrscheinlich gilt dabei der Erhalt des Marktes in Garmisch. Man sei "bemüht, die gut positionierten Filialen und deren Mitarbeiter in eine erfolgreiche Zukunft zu begleiten", sagte ein hochrangiger Hagemeyer-Manager unserer Zeitung. So bald wie möglich wolle man die Standorte abgeben. Leicht werde das allerdings nicht: "Der Einzelhandel ist derzeit nicht gerade eine Goldgrube."</P><P>Dieser Bereich von Fröschl lief mit 120 Millionen Euro Umsatz und 500 Mitarbeitern (2003) nicht profitabel. Mehrere Märkte, darunter Nürnberg, Ulm, Rgeensburg, Amberg und Ingolstadt, waren in der letzten Zeit geschlossen worden. Media-Saturn will die Märkte mit dem bewährten, offensiv beworbenen Konzept in die Gewinnzone führen. Man setze auf die Beschäftigten an den acht Standorten, heißt es.</P><P>Der Kaufpreis wird nicht genannt. Besonders teuer dürfte der Einkauf für Media-Saturn nicht gewesen sein, heißt es in der Branche. "Das ist für uns kein Geschäft gewesen", kommentieren die Niederländer knapp.</P><P>Fröschl war 1920 gegründet worden, um E-Werke mit Kabeln zu versorgen. Der Großhandel mit Sitz in München, 2300 Mitarbeitern und 880 Mio. Euro Umsatz soll weiterlaufen und ab heuer wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaften.</P><P>Rettung für Branchenzwerge<BR>liegt in Verbünden</P><P>Im Einzelhandel ist dieses Ziel für viele Zwerge auf dem Markt derzeit nahezu unerreichbar. Mit Preissenkungen und Geiz-Kampagnen setzt Marktführer Metro Maßstäbe im Elektronikbereich. "Normal ist das nicht, was derzeit in diesem Land abläuft", sagte Wirtschaftsforscher Jörg Hinze dem "Hamburger Abendblatt" zur Schnäppchenjagd der Massen. Und fügte fast entschuldigend hinzu: "Die Zeiten sind eben auch nicht normal."</P><P>Von extrem hohen Werbebudgets in bis zu dreistelliger Millionenhöhe, die oft die Jahreserträge weit übersteigen, berichtet Wolfgang Fischer, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands LAG Bayern: "Das ist für einen allein agierenden Einzelhändler völlig unmöglich."</P><P>Das automatische Aus für die Kleinen sieht Fischer in dieser Entwicklung dennoch nicht. Über Verbundgruppen könnten auch kleinere Einzelhändler überleben: "In der Fläche wird das weiterhin möglich sein."<BR></P>

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