METRO verbucht wegen Real Quartalsverlust

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Düsseldorf (dpa) - Die Sanierung des Lebensmittelhändlers Real und eine Neubewertung der Modekette Adler haben den Handelsriesen METRO in die roten Zahlen gedrückt. Der Düsseldorfer Konzern verbuchte im zweiten Quartal 2008 einen Verlust von 257 Millionen Euro.

Grund sind Sonderbelastungen in einer Gesamthöhe von 612 Millionen Euro, die sich aus Rückstellungen für die Trennung von bundesweit 27 Real- Märkten und Abschreibungen auf Adler zusammensetzen. Das geht aus der Quartalsbilanz hervor, den METRO-Chef Eckhard Cordes am Donnerstag in Düsseldorf vorlegte. Nach seinen Angaben könnten zusätzlich zu den 27 Märkten noch bis zu 10 weitere Real-Märkte abgegeben werden.

Bereinigt um die Sonderfaktoren legte METRO im zweiten Quartal kräftig zu: Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (bereinigtes EBIT) stieg um 8,6 Prozent auf 329 Millionen Euro. Inklusive der Sondereffekte wurde ein operativer Verlust von 282 Millionen Euro verbucht nach einem operativen Gewinn von 303 Millionen Euro im zweiten Quartal 2007. Der Umsatz nahm um rund 7 Prozent auf 16 Milliarden Euro zu. Cordes bekräftigte die Prognose für 2008, der zufolge der Umsatz um mehr als 6 Prozent steigen soll. Beim bereinigten operativen Gewinn wird ein Plus von 6 bis 8 Prozent erwartet. Die METRO-Stammaktie verbilligte sich am Donnerstag um 0,72 Prozent auf 37,13 Euro.

Bei der Lebensmittelkette Real zeigt das Sanierungsprogramm nach den Worten von Cordes erste Erfolge. Im zweiten Quartal nahm der Umsatz in Deutschland flächenbereinigt um 5 Prozent zu. Sowohl der Durchschnittsumsatz pro Kunde als auch die Zahl der Kunden seien gestiegen. Seit Anfang 2008 sind 9 Real-Märkte an neue Betreiber abgegeben worden. Aus weiteren 27 Märkten will sich Real bis Ende 2009 zurückziehen, wie im vergangenen Monat bekanntgegeben wurde. Ob die Geschäfte bestehen bleiben, hängt davon ab, ob sich für sie Interessenten finden. Sollten sich METRO darüber hinaus von bis zu zehn weiteren Real-Märkten trennen, entstünden daraus keine zusätzlichen Ergebnisbelastungen.

Das laufende Sanierungsprogramm für Real hinterließ tiefe Spuren. Der operative Verlust der Mönchengladbacher METRO-Tochter Real schoss durch Sondereffekte auf 245 Millionen Euro in die Höhe nach 45 Millionen Euro im zweiten Quartal 2008. Darin sind Aufwendungen für die Straffung des Ladennetzes um die 27 Märkte von 223 Millionen Euro enthalten. METRO will das Geschäft von Real in Deutschland binnen zwei Jahren nachhaltig verbessern. Ende Juni betrieb Real 429 Filialen, davon 342 im Inland und 87 in Osteuropa. Der Gesamtumsatz stieg um fast 7 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro.

Die zum Verkauf stehende Warenhauskette Kaufhof litt im zweiten Quartal unter dem schwachen Nachfrage nach Bekleidung. Der Umsatz der Kölner METRO-Tochter, die auch in Belgien aktiv ist, ging um rund drei Prozent auf 764 Millionen Euro zurück. In Deutschland sank der Umsatz flächenbereinigt sogar um 3,4 Prozent. Der operative Verlust wurde trotz des Umsatzrückgangs leicht um 2 Prozent auf rund 29 Millionen Euro reduziert. Das sei durch ein größeres Angebot in den oberen Preislagen sowie Kostensenkungen möglich geworden. Cordes bekräftigte, METRO stehe beim Kaufhof-Verkauf nicht unter Zeitdruck.

Die gleichnamigen Großhandelsmärkte der METRO für Gewerbetreibende verzeichneten in Deutschland einen Umsatzrückgang um 1,7 Prozent auf rund 1,4 Milliarden Euro zurück. Der Gesamtumsatz inklusive Ausland stieg im zweiten Quartal um 5,3 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro und der operative Gewinn um 5,5 Prozent auf 297 Millionen Euro. Die METRO-Tochter verkraftete im ersten Halbjahr Sonderaufwendungen in Höhe von 40 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um Abschreibungen auf einen Teil der hohen Lagerbestände in Italien. Dort wurden wegen Korruptionsverdacht mehrere Manager und Einkäufer ausgetauscht.

Die Elektronikketten Media Markt und Saturn erzielten im zweiten Quartal zweistellige Zuwachsraten und erwiesen sich damit erneut als ein Wachstumsmotor des Konzerns. Der Umsatz kletterte um fast 14 Prozent auf 4 Milliarden Euro. In Deutschland erzielten die Ketten flächenbereinigt, also nach Abzug zusätzlicher Verkaufsflächen in neuen Märkten, 4,6 Prozent mehr Umsatz. Dies gehe auch auf die umfangreiche Werbung zurück. Der operative Gewinn stieg um fast 15 Prozent auf 62 Millionen Euro. Die Fußball-EM hatte laut Cordes keinen gravierenden Einfluss.

Die Modekette Adler soll innerhalb von zwölf bis 18 Monaten verkauft werden. Erst zu Wochenbeginn war ein Sanierungsprogramm für Adler bekanntgeben worden. Demnach werden bis zu 525 Arbeitsplätze in Deutschland und Österreich gestrichen Adler schließt insgesamt bis zu 20 Märkte in diesen Ländern bis Ende 2009. Das knapp 4000 Mitarbeiter (auf Vollzeit gerechnet) zählende Unternehmen erzielte 2007 nach Angaben von METRO-Finanzvorstand Thomas Unger einen operativen Gewinn von 17 Millionen Euro. Für 2008 schließt er wegen Umbaukosten und der schwächeren Textilnachfrage unter dem Strich rote Zahlen nicht aus.

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