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Jürgen Michels, Chefvolkswirt der BayernLB, spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB).

Merkur-Interview

Michels: „Zinsen bleiben auf Jahre niedrig“

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München - Jürgen Michels, Chefvolkswirt der BayernLB, spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB).

Herr Michels, warum hat die EZB die Zinsen weiter gesenkt?

Um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, indem sie versucht, die Inflationsrate näher an den Zielwert von 2 Prozent zu bekommen. Derzeit liegt die Inflationsrate bei nur 0,5 Prozent im Euro-Raum.

Funktioniert das denn? Lässt sich so die Wirtschaft ankurbeln?

Wohl eher nicht. Was aber gelingt, ist eine Schwächung des Euro. Der negative Einlagezinssatz macht den Euro weniger attraktiv.

Was bedeutet ein negativer Zinssatz für Sparer?

Das hängt davon ab, ob die Banken diesen erneuten Rückgang der Zinsen an ihre Kunden weitergeben. Die Einlagenzinsen für Sparer könnten weiter sinken. Ich glaube aber nicht, dass auch Sparer negative Zinsen zahlen müssen. Allerdings könnten die Banken ihre gestiegenen Kosten auch auf anderen Wegen weitergeben, indem sie Gebühren erhöhen. Vermutlich werden die Banken aber nicht die ganzen Kosten weitergeben können, sondern ihre Gewinnmargen werden schrumpfen.

Aber die Sparer werden die Hauptlast tragen?

Tatsächlich werden die Sparer durch sinkende Zinsen und eventuell höhere Gebühren bei gleichzeitig wahrscheinlich steigender Inflation real weniger Geld zur Verfügung haben. Auf der anderen Seite profitieren sie, wenn durch einen schwächeren Euro die Exporte steigen und der deutsche Arbeitsmarkt weiterhin gut läuft.

Erreicht die EZB dieses Ziel, die Exporte zu stärken?

Es geht vor allem darum, auch die Exporte aus den anderen Euro-Ländern zu stärken und damit wieder wirtschaftliches Wachstum zu erzeugen. Das Hauptziel bleibt für die EZB aber zu verhindern, dass die Inflationsraten weiter sinken, und dem kommt man durch einen abwertungsbedingten Anstieg der Importpreise näher.

Welche Inflationsrate wäre gefährlich niedrig?

0,5 Prozent Inflation ist schon ein kritischer Wert. Mit so niedrigen Inflationsraten wird es schwierig, die hohen Staatsschulden abzubauen. Wirklich gefährlich wäre eine Deflation, also eine negative Inflationsrate. Davon sind wir im Euro-Raum aber noch ein ganzes Stück entfernt.

War’s das jetzt oder kann die EZB noch weitere Maßnahmen treffen?

Sie kann auch die negativen Zinsen noch weiter senken. Aber irgendwann kommt natürlich ein Punkt, an dem die Banken überlegen, ob es sinnvoller ist, das Geld nicht bei der EZB , sondern als Banknoten im eigenen Safe liegen zu lassen. Dann könnte man nur noch quantitative Maßnahmen ergreifen.

Das heißt, man würde Geld drucken?

Man würde Anleihen kaufen, aber, ja: Das wäre eine Form des Gelddruckens. Ob das allerdings die Wirtschaft wieder in Schwung bringt, ist fraglich.

Ist ein Ende der Niedrigzinsphase abzusehen?

Nein. So lange die wirtschaftliche Situation in der Euro-Zone so bleibt, ist kein Ende abzusehen. Die Zinsen werden vermutlich noch Jahre niedrig bleiben.

Interview: Philipp Vetter

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