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150 000 Streckenkilometer sollen diese Spezialfahrzeuge in Deutschland fotografieren.

Microsoft sammelt Straßenbilder in Bayern

Unterschleißheim - Ab Montag rollen sie wieder durch Bayern - Autos, die mit Kameras auf dem Dach die Umgebung detailliert fotografieren. Diesmal ist es Microsoft und ein Vorab-Widerspruch von Hausbesitzern zwecklos.

Das Projekt ist schier gigantisch: Mehr als 50 Städte will Microsoft detailliert ablichten, um seinen Online-Kartendienst „Streetside“ zu füttern. Etwa eineinhalb Jahre sollen Spezialwagen, ausgestattet mit 360-Grad-Kameras, gut 150 000 Streckenkilometer fotografieren. Doch was am Montag in Nürnberg starten soll und im Juni auch nach München kommt, ist sehr umstritten. Denn Datenschützern gefällt nicht, wie der Konzern mit diesen Aufnahmen umgehen will. Microsoft plant, das Material erst einmal auf seine Seite zu stellen - ganz egal, ob die Bewohner das wollen oder nicht.

Weil Microsoft hierzulande in Unterschleißheim bei München sitzt, ist die bayerische Datenschutzaufsicht zuständig. Ihr Leiter, Thomas Kranig, besteht auf einem sogenannten Vorab-Widerspruch: Wer nicht will, dass sein Haus im Internet abgebildet wird, der soll das erklären dürfen, bevor Microsoft sein Angebot freischaltet. Die Aufnahmen kämen so gar nicht erst in Umlauf.

Datenschützer Kranig gibt sich diplomatisch und sagt, er habe mit den Microsoft-Managern „intensive Gespräche geführt, die in mir die Hoffnung gestärkt haben, dass wir zu einer gütlichen Einigung kommen“. Fragt man indes den US-Konzern, so heißt es, Microsoft bleibe bei seiner bisherigen Auffassung. Und die widerspricht der des Datenschützers fundamental.

Olivier Blanchard, Chef der hiesigen Internetprojekte von Microsoft, stützt sich auf einen aktuellen „Kodex für den Datenschutz bei Geodiensten“. Den habe der Branchenverband Bitkom „mit der Politik“ ausgearbeitet. Die Unterzeichner dieses Papiers stünden auf dem Standpunkt, „dass der Kodex den Rahmen vorgibt, in dem wir uns bewegen“. Diese Selbstverpflichtung sehe „nun mal keinen Vorab-Widerspruch vor“, sagt Blanchard.

Microsoft darf seine Autos der Spezialfirma Navteq trotzdem in der Republik fotografieren lassen. „Wir haben zugesagt, dass sie die Daten erst einmal erfassen dürfen“, sagt Kranig. Die Kamerafahrten selbst seien ja gar nicht das Problem. Ihm gehe es allein darum, dass die Bewohner der abgelichteten Häuser selbst entscheiden könnten, was mit den Aufnahmen geschehe.

Die Befürchtung des Datenschützers: Sollten die Betroffenen erst dann die Löschung der Fotos beantragen können, wenn sie schon im Netz stehen, könnte das Material schon von Dritten kopiert worden sein. „Das wäre nicht sicher“, mahnt Kranig. „Was einmal im Netz steht, bekommen Betroffene nur schwer wieder raus. Das ist klar.“

Ein Problem von Microsoft ist der Hauptkonkurrent Google, dessen Dependance in Hamburg sitzt. Bevor der Suchmaschinen-Riese im vergangenen Jahr die Panoramaaufnahmen von deutschen Städten auf seiner Plattform „Street View“ veröffentlichte, hatte er einen sogenannten Vorab-Widerspruch ermöglicht - und war den Hamburger Datenschützern entgegengekommen.

So reibungslos aber läuft die Diskussion im Süden derzeit nicht ab. Der Ausgang ist völlig offen, was nicht zuletzt Microsoft stören dürfte. Kranig hat dem Unternehmen bereits angedroht, notfalls den Start der Plattform mit einer amtlichen Verfügung zu stoppen. Dann müsste Microsoft für „Streetside“ gegen den Freistaat vor Gericht ziehen.

Mehr Informationen

über „Streetside“, den Streckenverlauf und Einspruchsmöglichkeiten gibt Microsoft im Internet unter: http://bit.ly/iL8q31

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