+
Der frühere Topmanager Middelhoff sitzt seit fast fünf Monaten in der Justizvollzugsanstalt Essen. Foto: Rolf Vennenbernd

Middelhoff beantragt erneut Haftprüfung

Der Gesundheitszustand von Thomas Middelhoff hat sich nach Angaben seiner Anwälte im Gefängnis dramatisch verschlechtert. Jetzt liegt bei Gericht ein neuer Antrag auf Haftprüfung vor.

Essen (dpa) - Nach fast fünf Monaten in Untersuchungshaft unternimmt frühere Topmanager Thomas Middelhoff einen weiteren Versuch, aus dem Gefängnis freizukommen.

Beim Landgericht Essen sei ein neuer Antrag der Middelhoff-Verteidiger auf Haftprüfung eingegangen, bestätigte ein Gerichtssprecher am Mittwoch. Das Gericht werde nun prüfen, ob der Haftbefehl außer Vollzug zu setzen sei.

Die Rechtsanwälte hatten den Antrag bereits am Dienstag angekündigt. Aus Sicht der Verteidigung ist der 61-jährige Manager haftunfähig. Eine bereits vor Monaten festgestellte Autoimmunkrankheit habe sich unter den Bedingungen der Haft weiter verschlechtert.

"Irgendwann muss dem Martyrium ein Ende gesetzt werden", sagte Middelhoff-Anwalt Sven Thomas am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Middelhoff wurde nach Angaben der Anwälte bereits am Dienstag zur Behandlung ins Universitätsklinikum Essen verlegt.

Scharfe Kritik übten Middelhoffs Rechtsanwälte erneut an den Haftbedingungen ihres Mandanten und der aus ihrer Sicht zunächst unzulänglichen Behandlung der Erkrankung. Dass Middelhoff in den ersten Haftwochen mindestens alle 15 Minuten kontrolliert worden sei, bezeichneten sie als "unter keinem denkbaren Gesichtspunkt gerechtfertigten Schlafentzug". Der Verdacht liege nahe, dass dadurch sein Immunsystem geschwächt worden sei. Die Essener Vollzugsanstalt wollte nach eigenen Angaben durch die regelmäßigen Sichtkontrollen einen Suizid verhindern.

Der frühere Chef des inzwischen pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor war am 14. November vom Essener Landgericht wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt und noch im Gerichtssaal verhaftet worden. Der Bundesgerichtshof wird wohl erst in einigen Monaten über seine Revision entscheiden.

Mehrere Versuche von Middelhoffs Rechtsanwälten, den 61-Jährigen auf freien Fuß zu bekommen, scheiterten. Der Grund: Die Richter am Landgericht Essen und am Oberlandesgericht Hamm sahen Fluchtgefahr. Selbst als enge Freunde und Familienmitglieder Middelhoffs eine Kaution von fast 900 000 Euro anboten, blieben die Richter hart

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

18.000 demonstrieren gegen "Agrarindustrie"
Berlin - Anlässlich des Beginns der Agrarmesse "Grüne Woche" haben Tausende in Berlin unter dem Motto "Wir haben es satt!" für eine Neuausrichtung der Landwirtschaft …
18.000 demonstrieren gegen "Agrarindustrie"
Müller: BER-Eröffnung 2017 "kann nicht mehr funktionieren"
Berlin - Nun wird allmählich offiziell, was sich schon länger andeutete: Mit dem neuen Hauptstadtflughafen wird es auch 2017 nichts.
Müller: BER-Eröffnung 2017 "kann nicht mehr funktionieren"
Weltgrößte Wassersport-Messe "Boot" eröffnet
Düsseldorf - Über 1800 Aussteller aus 70 Ländern präsentieren in Düsseldorf auf der weltgrößten Wassersportmesse „Boot“ wieder ihre Produkte vom Surfbrett bis zur …
Weltgrößte Wassersport-Messe "Boot" eröffnet
Nach Trump-Party: Euphorie an der Börse schwindet
Frankfurt/Main - Nach dem Wahlsieg von Donald Trump sind die Aktienkurse in die Höhe geschossen. Doch nun kommen bei Anlegern die Sorgen zurück. Denn niemand weiß genau, …
Nach Trump-Party: Euphorie an der Börse schwindet

Kommentare