Middelhoff nach Arcandor-Kursrutsch im Kreuzfeuer

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Essen (dpa) - Der Verfall der Arcandor-Aktie und die Kommunikationspolitik des Unternehmens alarmiert Aktionärsschützer und ruft die Finanzaufsicht auf den Plan. Die Angst vor einem drohenden Kollaps des Handels- und Touristikunternehmens schickte das Papier am Freitag auf neue Rekordtiefen.

Gleichzeitig wurde der Ruf nach Konsequenzen laut. "Für dieses Desaster sollte Vorstandschef Thomas Middelhoff die Verantwortung übernehmen und seinen Posten räumen", forderte die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) am Freitag. Der Essener-Konzern, der am Mittwoch mit widersprüchlichen Meldungen das Chaos ausgelöst hatte, schwieg auch am Freitag beharrlich zu seinen weiteren Plänen und ließ viele Anleger ratlos zurück.

Einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge trifft sich der Aufsichtsrat des Unternehmens bereits am Sonntag, um über einem möglichen Verkauf der Touristik-Tochter Thomas Cook zu beraten. In Unternehmenskreisen wurde der Termin gegenüber der Finanz- Nachrichtenagentur dpa-AFX bestätigt. Das Thema oder der genaue Termin war in den Kreisen aber unbekannt.

Ein Arcandor-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren. Der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler, sagte: "Die Ungewissheit ist für viele das Schlimmste." Er verwies auf die zahlreichen Anrufe von Anlegern, die um ihre Investments bangen.

Die Aktie brach am Freitag erneut ein. Die Vortagesverluste wurden um 23,60 Prozent auf 1,91 Euro ausgeweitet. Seit Mittwochabend verlor die Arcandor-Aktie damit knapp 46 Prozent ihres Wertes. Ausgelöst hatte den Rutsch eine irreführende Kommunikationspolitik Arcandors. Der Konzern hatte zunächst am Mittwoch verkündet, sich mit den Gläubigerbanken über dringend benötigte Kredite geeinigt zu haben. Spekulationen, wonach die Banken als Pfand Anteile der Tochter Thomas Cook verlangten, wurden vom Konzern dementiert. Die Aktie schoss daraufhin um zeitweise 20 Prozent in die Höhe.

Am Abend teilte Arcandor per Pflichtmitteilung mit, dass sich der Konzern möglicherweise doch von Beteiligungen trennen müsse. Diese Nachricht wirkte auf die Börse wie ein Schock. Da Thomas Cook auch derzeit der einzige Ertragsbringer im Konzern ist, löste die Nachricht über einen möglichen Verkauf gleichzeitig Spekulationen über ein drohendes Ende des Konzerns aus. Vor vier Jahren hatte das Unternehmen noch unter seinem alten Namen KarstadtQuelle schon mal kurz vor dem Zusammenbruch gestanden.

Die Kurskapriolen riefen auch die Finanzaufseher auf den Plan. "Wir schauen uns das an, sowohl unter Ad-hoc-Gesichtspunkten als auch den Handelsverlauf der vergangenen Tage", sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Es handele sich um eine routinemäßige Überprüfung. Derzeit sei noch keine Entscheidung darüber gefallen, ob eine Untersuchung eingeleitet werde.

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