Miele baut in Deutschland jede zehnte Stelle ab

- Gütersloh - Sollen doch andere mit Rabatten werben: Jahrelang stand das traditionsreiche Unternehmen Miele scheinbar unberührt vom Discountwahn der Bundesbürger da. Und die Gütersloher konnten sich diese vornehme Distanz auf den ersten Blick auch leisten. Egal ob Kundenzufriedenheit, Innovation, Marketing oder Produkt-Qualität - Miele gilt seit jeher als Musterschüler der Branche. Damit ließen sich lange Zeit hohe Preise verteidigen.

Wie ein Paukenschlag wirkten da 2004 die ersten Meldungen über Kurzarbeit im Stammwerk. Und jetzt wurde bekannt: Jede zehnte Stelle in Deutschland soll bald wegfallen, wenn auch ohne große Grausamkeiten.<BR>"Miele ist ein kerngesundes Familienunternehmen", sagt dagegen Geschäftsführer Horst Schübel und verweist auf ein 135 Millionen-Euro-Investitionsprogramm, das Miele wie immer aus eigenen Finanzen schultert. Es läuft darauf hinaus, bei den Arbeitskosten zu sparen.<BR><BR>Denn auch den Miele-Chefs sitzt der Preisdruck immer mehr im Nacken. Wenn sie nicht nachgeben, klafft der Abstand zum Mittelfeld immer mehr. Welche Auswirkungen sonst drohen, zeigte sich im Geschäftsjahr 2003/2004, als der Umsatz der Gruppe erstmals leicht bröckelte: Zwar hatte Miele im Ausland die Erlöse um 2,1 Prozent gesteigert, in Deutschland aber wegen der Kaufzurückhaltung Einbußen von 9,1 Prozent hinnehmen müssen. Jetzt sprießt "das zarte Pflänzchen des Aufschwungs" wieder, wie es Markus Miele nennt. Die vierte Generation der Gründer-Familien, die im vergangenen Jahr endgültig das Ruder in die Hand nahm, leitete die drastischen Einschnitte ein. Knapp 1100 der 11 000 Arbeitsplätze in Deutschland fallen weg. Das soll möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen gehen.

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