Nur Miele setzt auf "made in Germany"

- München - Weiße Ware durchlebt in Deutschland dunkle Stunden. Heimischen Werken droht das Aus. Die Gründe sind umstritten. Nur Miele bekennt sich noch zu "made in Germany".

Die Hausgerätebranche ist hierzulande von fataler Aufbruchstimmung erfasst. Es zieht sie fast geschlossen nach Osteuropa. Ob der Traditionskonzern AEG in Nürnberg und dessen schwedischer Mutterkonzern Electrolux oder Bosch Siemens (BSH) in Berlin, die Verlagerung heimischer Stellen ins Ausland ist bei den Herstellern weißer Ware "in". Die Manager der Konzerne sagen, dass Billigkonkurrenz aus dem Osten keine Wahl lässt. IG Metall und Betriebsräte stellen die Lage als Folge unterlassener Investitionen dar. Andere sehen im Verdrängungswettbewerb der großen Hersteller die Ursache. Fakt ist, dass der Markt für Großgeräte in Deutschland gesättigt ist. 99 Prozent aller Haushalte haben einen Kühlschrank, 95 Prozent eine Waschmaschine und 84 Prozent einen Herd, geht aus den Statistiken des Frankfurter Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI) hervor. Neues kann meist nur verkauft werden, wenn alte Geräte kaputt gehen. Folglich ist der Inlandsmarkt für große Hausgeräte seit 1999 auf Talfahrt.4,2 Milliarden Euro wurden damit 2004 noch branchenweit umgesetzt. Das ist fast ein Fünftel weniger als vor sechs Jahren. In Stückzahlen bleiben die Verkäufe laut ZVEI konstant. Für Verfall sorge ungebrochener Preisdruck. Bei Waschmaschinen etwa beziffern BSH und AEG den Abschlag in den letzten beiden Jahren auf 15 Prozent. Hoffnungen, den Trend 2005 umzukehren, geben Experten kaum eine Chance. "Das wird sehr schwierig", meint ein Marktforscher. Wahr ist aber auch, dass die Gesamtbilanz der Hersteller weißer Ware inklusive Export positiv aussieht. So hat BSH als Nummer eins der Branche 2004 mit gut 6,8 Milliarden Euro nicht nur einen neuen Umsatzrekord erzielt, sondern auch das Vorsteuerergebnis überproportional um eine Zehntel auf 520 Millionen Euro gesteigert. "Es sind nicht primär osteuropäische Billigmarken, die Preisdruck erzeugen, sondern Mitglieder des westlichen Oligopols, die ihre Produktion ostwärts verlagern", beschreibt ein Branchenkenner die Lage. Zwei Drittel des Markts in Westeuropa entfallen auf die fünf Konzerne BSH, Electrolux/AEG, Merloni, Whirlpool/Bauknecht und Miele, von denen nur die Letzteren noch nicht in Osteuropa fertigen. Deren Verdrängungswettbewerb sorge letztlich für den Preisverfall.Eine AEG-Sprecherin in Nürnberg hält dagegen. Es gebe durchaus neue Konkurrenz wie den türkischen Billiganbieter Beko oder Asiaten wie LG und Samsung, die große Hausgeräte ab 199 Euro anbieten. Zudem sei der Marktanteil von No-Name-Marken binnen zwei Jahren von 9,5 auf 13,5 Prozent gestiegen."Man kann Geräte im unteren und auch zunehmend mittleren Preissegment nicht mehr in Deutschland produzieren", fürchtet der im ZVEI für Hausgeräte zuständige Geschäftsführer Werner Scholz. Nur die obere Preisklasse habe in der Fertigung noch eine Zukunft. Das bestätigt der führende Vertreter dieses Segments. "Unsere Geräte müssen aus Deutschland kommen", sagt Markus Miele als Geschäftsführer des gleichnamigen Familienunternehmens. Zwar baut der hochpreisige Anbieter aus Gütersloh binnen zwei Jahren knapp 1100 seiner 11 000 heimischen Mitarbeiter ab. Dem stehe aber kein Aufbau im Ausland gegenüber. Miele halte am Standort fest und mache das per Plakette vorne an den eigenen Geräten klar. "Made in Germany" steht darauf.

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