Miet-Schock und Baukrise drohen

Aufschwung "fragil": - Berlin/München ­- Die Eigenheimzulage ist gestrichen und damit auch die finanzielle Grundlage für viele potenzielle Häuslebauer. Das lässt sich aus Zahlen des Statistischen Bundesamts herauslesen: So sind in den ersten Monaten dieses Jahres die Baugenehmigungen fast um die Hälfte zurückgegangen. Dieser Trend könnte zwei fatale Folgen haben: eine Explosion der Mieten und einen Einbruch im Baugewerbe.

FDP-Chef Guido Westerwelle hält diese Tendenz für sehr beunruhigend. "Die aktuellen Zahlen zeigen, wie außerordentlich fragil unser Aufschwung ist." Die Schuld an der Entwicklung gibt er der Großen Koalition. Und auch der Zentralverband Deutsches Baugewerbe spart nicht mit Kritik an der Regierung. "Wir haben vor dieser Entwicklung gewarnt. Unsere Argumente wurden aber nie ernst genommen", meint Pressesprecherin Ilona Klein. Sie rechnet mit verheerenden Konsequenzen für die Branche: Personalabbau, Insolvenzen und ein Erlahmen der Konjunktur im Bausektor, der sich auch auf den generellen Aufschwung auswirkt.

Wird der Trend im Bausektor nicht aufgehalten, so ist auch ein rapides Ansteigen der Mieten nicht zu stoppen. Stefan Diepenbrock, Pressesprecher des Verbandes Haus und Grund Deutschland, warnt zwar vor Panikmache. "Wenn wir aber bei einer solchen Bauquote bleiben, bekommen wir langfristig Probleme." Vor allem in Ballungszentren müssten Mieter dann wohl deutlich tiefer in die Tasche greifen. Davon dürfte besonders München betroffen sein, schließlich hält die bayerische Landeshauptstadt schon jetzt den Deutschland-Rekord in punkto Mietkosten. Auch hier gingen die Baugenehmigungen 2007 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Drittel zurück ­ bayernweit sanken die Zahlen sogar um 40 Prozent.

Dass München unter dem deutschen Durchschnitt liegt, hängt laut Bayerns Innenminister Günther Beckstein mit dem Bayerischen Wohnungsbauprogramm zusammen. "Ohne die stabilisierende Wirkung der Wohnraumförderung wären die Zahlen noch niedriger ausgefallen", sagte er. "Immer mehr Bürger sind für den Erwerb eines eigenen Hauses auf staatliche Unterstützung angewiesen." Insgesamt förderte der Freistaat von Januar bis Mai 1300 Miet- und selbstgenutzte Wohnungen.

Auf eine bundesweite Lösung im Rahmen der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge drängen die Verbände von Bau- und Immobilienwirtschaft. Sie wollen, dass Wohnungen und Häuser in gleichem Maß gefördert werden wie Geldvermögen ­ schließlich stünde dies genau so auch im Koalitions-Vertrag.

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