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Heizkosten: Ampel plant Mieten-Revolution

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Von: Markus Hofstetter

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Ein Heizungsregler in einer Wohnung wird aufgedreht.
Die Ampel-Parteien wollen mit einer Teilwarmmiete die Mieter finanziell entlasten © Björn Trotzki/imago

Die Heizkosten sind zuletzt steil gesteigen. In Mietwohnungen mussten die entsprechenden Mehrkosten bislang alleine die Mieter tragen. Die Ampel will das jetzt ändern.

Berlin - Die Heizkosten in Deutschland steigen rasant. Laut dem Vergleichsportal Verivox sind die Gaskosten für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden auch wegen der CO2-Abgabe von durchschnittlich 1094 auf 1402 Euro pro Jahr gestiegen. Tipps zum Sparen, zum Beispiel durch richtiges Lüften, helfen da nur bedingt weiter.

Die Mehrkosten für das Heizen musste bisher der Mieter allein tragen. Das will die Ampel-Koalition ändern. Im 178 Seiten umfassenden Koalitionsvertrag von SPD, FDP und Grünen steht: „Um das Mieter-Vermieter-Dilemma zu überwinden, prüfen wir einen schnellen Umstieg auf die Teilwarmmiete.“ Man wolle eine faire Teilung des zusätzlich zu den Heizkosten zu zahlenden CO2-Preises zwischen den Vermietern einerseits und Mieterinnen und Mietern andererseits erreichen.

Ampel plant Miet-Revolution: Mieter für Basis-Versorgung mit Wärme zuständig

Was steckt hinter dieser Teilwarmmiete? Auskunft darüber gibt das Wahlprogramm der FDP, in dem für die Einführung dieses Konzepts plädiert wird. Es bedeutet, dass Vermieter ihre Wohnungen beheizt anbieten, sie sollen für eine „Basisversorgung mit Wärme“ zuständig sein. Der zusätzliche Verbrauch wird dann verbrauchsabhängig vom Mieter bezahlt.

Ziel der Teilwarmmiete ist, Vermietern einen Anreiz zu geben, schlecht gedämmte Wohnungen zu isolieren oder alte Heizungen zu ersetzen. Denn diese Investitionen helfen nicht nur den Mietern, sondern vor allem auch den Vermietern Geld zu sparen.

Ampel plant Miet-Revolution: Schweden zeigt, dass Teilwarmmiete funktioniert

Reiner Wild, Geschäftsführer der Berliner Mietervereins, nannte in der Bild eine Grundbeheizung im Bereich von 20 bis 22 Grad Celsius, die vom Vermieter während der Heizperiode bereitzustellen ist. In Schweden, wo die Teilwarmmiete schon seit Jahren angewendet wird, liegt die Vorgabe bei 20 Grad Celsius. Zwischen Mieter und Vermieter können aber Abweichungen davon vereinbart werden.

In dem skandinavischen Land sorgt das Konzept dafür, dass Vermieter unter anderem in moderne, klimaneutrale Heizungen investieren und so die CO2-Emisison erheblich gesenkt wurden. Leo Reutter vom Institut für Wirtschaftsrecht der Uni Kassel sagte dem Onlineportal HNA*, dass Schweden seit dem Jahr 2000 95 Prozent des CO2-Ausstoßes im Gebäudesektor reduziert hat. Das zeige, dass man in Deutschland einen politischen Beschluss brauche, um ein Warmmietensystem umzusetzen.

Ampel plant Verbesserungen für Mieter: Mietpreisbremse soll verlängert werden

Der Koalitionsvertrag sieht weitere Verbesserungen für Mieter vor. So soll die Mietpreisbremse, die nach der letzten Anpassung 2020 eigentlich am 30. Juni 2025 auslaufen soll, bis 2029 verlängert wird. Das bedeutet, dass in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt die Miete binnen drei Jahren nur noch um bis zu elf Prozent steigen dürfen statt wie bisher bis zu 15 Prozent. Für Gemeinden über 100.000 Einwohnern soll zudem qualifizierte Mietspiegel verpflichtend werden. *Merkur.de und HNA.de sind Teil von IPPEN.MEDIA.

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