"Mieten werden deutlich steigen"

München - Bayerische Mieter müssen tiefer in die Tasche greifen ­ besonders im Süden. Auch der Großraum München trägt zu diesem Trend bei. Und in Zukunft soll das Wohnen in der Landeshauptstadt noch teurer werden.

In Bayern zu leben ist herrlich ­ und wird gleichzeitig immer kostspieliger. Die Mieten stiegen im vergangenen Jahr erneut in allen Bereichen ­ egal ob Altbauwohnungen (6 Prozent) oder Neubaudoppelhaushälften (2,9 Prozent). Vor allem in den wirtschaftlich prosperierenden Regionen wird das Wohnen immer teurer.

"Die Schere zwischen Nord und Süd geht dabei schon lange deutlich auseinander", erläutert Stephan Kippes, Leiter des Marktforschungsinstitutes des Immobilienverbandes Deutschland Süd (IVD). Auch im vergangenen Jahr legten die Mieten in Südbayern deutlich stärker zu als im Norden. Und gerade der Großraum München, schon heute der teuerste Fleck in Bayern (siehe Grafik), werde weiter zu dieser Entwicklung beitragen, so der Experte. "Hier erwarten wir deutliche Mietpreissteigerungen in den nächsten Monaten und Jahren." Seit dem Höchststand im Jahr 2002 und der Talsohle 2004 habe sich das Preisniveau nun wieder stetig erhöht und in den letzten Monaten stabilisiert. "Eine Verschnaufpause", so Kippes, vor dem weiteren Weg nach oben.

Die Gründe für das Klettern der schon heute zweistelligen Quadratmeterpreise sieht der IVD unter anderem in der schwindenden Zahl von kleinen Kapitalanlegern, die immer mehr einen Bogen um Immobilien machen würden. Steuerliche Aspekte wie der Wegfall der degressiven Abschreibung im Jahr 2006 machten das Vermieten für Privatpersonen immer unattraktiver, so Sven Keussen, stellvertretender Geschäftsführer des IVD Süd. Ein Beispiel für die Unlust der Deutschen, neues Kapital in Immobilien anzulegen, seien die Neubauten in München: "Der überwiegende Anteil dieser Wohnungen wird von den Eigentümern selbst genutzt." Weiterhin hätten Urteile zu Fragen der Renovierung nach dem Auszug dazu beigetragen, Vermieter zu verunsichern. "Ich schlag' mich in Zukunft nicht mehr mit Mietverträgen rum" ­ das berichteten Verbandsfunktionäre von Gesprächen mit Vermietern.

Auf der Nachfrageseite treibt laut Keussen langfristig die große Attraktivität des Standortes München die Mieten in die Höhe. Sowohl gute ökonomische Kennzahlen als auch die sogenannten weichen Faktoren wie Lebensgefühl und Freizeitwert prägten die Landeshauptstadt. Die Folge sei erheblicher Zuzug ­ eine Erfahrung, die die "Flughafenlandkreise" schon lange machen: Während sich in München die Bevölkerungszahl in den letzten zehn Jahren um 5 Prozent vergrößerte, stieg sie in Freising um 12,5 und in Erding sogar um 15,8 Prozent.

Unter diesen Vorgaben ist für Keussen der zu erwartende Anstieg der Münchner Mieten ein normaler Vorgang. Doch unbesorgt ist er nicht: "Ich fürchte, dass die Stadt versucht, die Mieten zu deckeln, wenn der Markt stark anzieht." Das sei jedoch kontraproduktiv und schade der Angebotsseite. "Wir sollten lieber auf die Kräfte des Marktes vertrauen", appelliert Keussen.

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