Wie Mieter Nebenkosten auf Plausibilität prüfen können

- Mieter können ab sofort selbst überprüfen, ob die Höhe ihrer Heiz- und Nebenkostenabrechnung plausibel ist. Der Deutsche Mieterbund (DMB) hat dafür einen bundesweiten Betriebskostenspiegel entwickelt. Demnach haben Mieter 2004 monatlich 2,44 Euro pro Quardratmeter an Nebenkosten gezahlt. Für eine 80 Quadratmeter große Wohnung bedeutet dies pro Jahr 2340 Euro.

Der Spiegel weist für alle 16 Betriebskostenarten Durchschnittswerte sowie kritische obere und untere Grenzwerte aus. So erhalten Mieter Anhaltspunkte für überhöhte oder unwirtschaftliche Kostenpositionen, sagte DMB-Direktor Franz-Georg Rips in Berlin. Wohnungssuchende könnten bereits vor Abschluss eines neuen Mietvertrages erkennen, ob die vorgegebenen Vorauszahlungen realistisch seien. Im Gegenzug haben Vermieter die Möglichkeit, vergleichsweise hohe Ausgaben für einzelne Betriebskosten zu identifizieren und Maßnahmen zur Kostenreduzierung einzuleiten.

"Zweite Miete"

Die Betriebskosten hätten sich längst zu einer "zweiten Miete" entwickelt, so Rips. Bereits im kommenden Jahr müssen 21 Millionen Haushalte mit deutlich höheren Kosten rechnen. Rips: "Wegen der explodierenden Energiepreise erwarten wir zu den 440 Milliarden Euro noch einmal zwei Milliarden zusätzlich." Bei den Heizkosten seien Preissteigerungen von 30 Prozent und mehr zu befürchten. Zudem schlage die für 2007 geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer mit weiteren 80 Euro im Jahr zu Buche.

Kritik am Spiegel

Bei den Vermietern lösten die Pläne des Deutschen Mieterbundes, die hohen Nebenkosten mit einem Betriebskostenspiegel in den Griff zu bekommen, Empörung aus. "Die Ergebnisse sind für Mieter und Vermieter ohne Aussagekraft und können ein gutes Mietverhältnis unnötig belasten", erklärte der Verband Haus und Grund. Etwa 85 Prozent der Betriebskosten seien vom Vermieter überhaupt nicht zu beeinflussen. Gerade bei Heizung, Wasser und Strom hingen sie fast ausschließlich vom Verbrauchsverhalten der Mieter ab. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) kritisierte die fehlende Repräsentativität des Spiegels. Die Vielzahl von Einflussfaktoren wie das Baujahr, das Alter der Heizungsanlagen und der Grad der Wärmedämmung machten es unmöglich, differenzierte bundesdurchschnittliche Vergleichswerte zu bilden.

Der DMB gab zwar zu, dass der Betriebskostenspiegel kein Rechtsinstrument sei und demnach auch keine verbindlichen Überprüfungen durchgeführt werden könnten. "Aber er ist eine wichtige Arbeitshilfe bei der Rechtsberatung", sagte Rips. Abweichungen von den Durchschnittswerten könnten für den Mieter Anlass sein, einzelne Kostenpositionen genauer zu prüfen.

Bis Anfang 2006 soll es für alle Bundesländer getrennt erstellte "regionalisierte" Betriebskostenspiegel geben. Eine Tendenz sei, dass die Energiekosten im Norden höher seien als im Süden, so Rips. Der Grund: das Wetter. Im Süden muss nicht so oft geheizt werden.

Erfasste Mietdaten

Diese Tendenz ist das Ergebnis von rund 13 000 erfassten Datenwerten. Sie beziehen sich auf zehn Millionen Quadratmeter Mietwohnfläche in Deutschland. Der Betriebskostenspiegel soll jedes Jahr neu erstellt werden und kann kostenlos im Internet unter www.mieterbund.de abgerufen werden.

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