Mietfreies Wohnen als Altersvorsorge

Berlin - Selbst genutztes Wohneigentum kann künftig in die Altersvorsorge einbezogen werden. Das Bundeskabinett beschloss am Dienstag nach gut zweijährigen Verhandlungen der Koalition den Gesetzentwurf für die Eigenheimrente ("Wohn-Riester").

Zwei Jahre nach Abschaffung der Eigenheimzulage (siehe Kasten) können Häuslebauer künftig bei der Finanzierung neue staatliche Hilfen in Anspruch nehmen. Demnach kann angesammeltes Geld aus einem "Riester-Vertrag" komplett entnommen werden, um schneller eine Wohnung oder ein Haus für den Eigenbedarf kaufen zu können. Auch die Tilgung von Darlehen soll direkt gefördert werden.

Mit dem gestrigen Beschluss gelten rückwirkend zum 1. Januar 2008 die Regelungen der Riester-Förderung - also staatliche Zuschüsse zu einer selbstfinanzierten Altersvorsorge - auch für Erwerb oder Bau selbstgenutzter Wohnimmobilien. Teile der Kreditwirtschaft und der Mieterbund hatten die Pläne als zu kompliziert kritisiert und Nachbesserungen gefordert.

Bislang gehörte selbst genutztes Immobilienvermögen nicht zu den unmittelbar begünstigten Anlageformen im Rahmen der Riester-Rente. "Für viele Bürgerinnen und Bürger stellt jedoch das mietfreie Wohnen im Alter eine - der Geldrente vergleichbare - Art der individuellen Altersvorsorge dar", werden die Gesetzespläne begründet.

Konkret können die rund zehn Millionen Verbraucher, die bereits in einem staatlich geförderten Riester-Vertrag für das Alter sparen, bis zu 75 Prozent der angesparten Summe als Startkapital für einen Wohnungskauf oder Hausbau herausziehen. Im Gegensatz zur bisherigen Regelung muss die abgezweigte Summe nicht in den Riester-Renten-Vertrag zurückgezahlt werden. Zudem dürfen die Riester-Sparer die laufende staatliche Förderung zu 100 Prozent in die Zins- und Tilgungszahlung umleiten. Das sind ab 2008 jährlich 154 Euro pro Person und 185 Euro für jedes bereits geborene Kind. Für Kinder, die nach dem 1. Januar 2008 geboren werden, sollen sogar 300 Euro fließen. Gutverdiener können alternativ maximal 2100 Euro als Sonderausgaben bei der Steuer geltend machen. Diese Sätze gelten für alle Riester-Verträge, nun aber eben auch für solche, die für Wohneigentum verwendet werden.

Um die nachgelagerte Besteuerung im Rentenalter zu ermöglichen, ist die Bildung eines fiktiven "Wohnförderkontos" geplant. Darauf werden die in der Immobilie gebundenen, geförderten Beträge erfasst. Hinzu kommen zwei Prozent Zinsen im Jahr. Es soll nur das tatsächlich investierte Kapital besteuert werden. Zu Beginn der Auszahlungsphase besteht ein einmaliges Wahlrecht: Förderberechtigte können zwischen der jährlich nachgelagerten Besteuerung und einer Einmalbesteuerung entscheiden. Wenn der geförderte Wohneigentümer die Steuerlast auf einen Schlag begleicht, erhält er einen Rabatt. Dann werden nur 70 Prozent besteuert. Wird die Steuerlast jährlich beglichen, muss der Betrag des "Wohnförderkontos" über 17 bis 25 Jahre mit dem individuellen Steuersatz des Förderberechtigten versteuert werden.

Neu geregelt wird auch die Wohnungsbauprämie. Bei Neuverträgen soll sich die Prämienbegünstigung künftig auf die Bildung von Wohneigentum konzentrieren. Die neue Wohnförderung wird den Staat knapp eine Milliarde Euro pro Jahr kosten.

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