Mietrecht: Kleintiere als Mitbewohner erlaubt

München - Goldhamster dürfen immer einziehen, Katzen meistens, Hunde nur manchmal: Die Tierhaltung in Wohnungen führt immer wieder zu Streit zwischen Mietern und Vermietern. Entscheidend sind Rechtslage und Mietvertrag

Müssen Mieter um Erlaubnis fragen, wenn sie sich einen Hund anschaffen? Sind fünf Katzen zu viel? Und darf der Vermieter einfach den Vogelkäfig aus der Wohnung verbannen? Die Regeln für die Tierhaltung in Mietwohnungen sind oft verwirrend – vor allem weil oft der Einzelfall entscheidet.

Mietvertrag

Michael Koch, Fachanwalt für Mietrecht und stellvertretender Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins München, empfiehlt, die Tierhaltung im Mietvertrag zu regeln. Er rät Vermietern, die Haltung zu untersagen und gegebenenfalls Ausnahmen festzulegen. „Tierhaltung ist in der Mietwohnung nicht gestattet.“ Mit dieser Klausel ist der Vermieter auf der sicheren Seite: Allerdings darf aus rechtlichen Gründen folgender Zusatz nicht fehlen: „Dies gilt nicht für Kleintiere im Rahmen des vertragsgerechten Gebrauchs.“

Kleintiere

Die Haltung von Kleintieren wie Goldhamstern, Meerschweinchen, Zwergkaninchen, Schildkröten und Fischen ist nicht genehmigungspflichtig. Das heißt: Auch wenn im Mietvertrag steht, dass Tiere in der Mietwohnung verboten sind, gilt das nicht für Kleintiere. Laut dem Versicherungsunternehmen ARAG gehen von Kleintieren in der Regel keine Beeinträchtigungen der Mietsache und auch keine Störungen der Nachbarn aus. Deshalb könne die Haltung nicht untersagt werden. Grundlage dafür ist ein Urteil des BGH aus dem Jahr 2007. Danach sind Ausschlussklauseln in Mietverträgen unwirksam (BGH, Az.: VIII ZR 340/06). Bleibt die Frage: Was versteht man unter einem Kleintier? „Grundsätzlich alles, was im Käfig sitzt“, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Gerichtsurteile gehen in dieser Frage auseinander.

Hunde und Katzen

Hunde und Katzen sind die beliebtesten Haustiere der Deutschen. Wenn allerdings laut Mietvertrag die Haltung verboten ist, hat der Mieter dagegen keine Handhabe. Schweigt der Mietvertrag dazu, rät Ropertz, eine Erlaubnis vom Vermieter einzuholen. Andernfalls riskiert er, dass er sein Tier wieder abgeben muss. Ohne Grund kann der Vermieter die Haltung allerdings nicht ablehnen.

Er muss laut BGH vielmehr zwischen seinen Interessen und den Interessen seines Mieters sowie eventueller Beteiligter umfassend abwägen. „Dabei zählen vor allem die Gegebenheiten vor Ort“, erläutert Ropertz. In ländlichen Gebieten sei es unwahrscheinlich, dass der Vermieter die Haltung einer Katze oder eines Hundes verbiete. „Ein Bernhardiner in einer Zwei-Zimmer-Wohnung im sechsten Stock könnte ein Problem werden“, warnt Ropertz.

Michael Koch rät Vermietern dazu, im Mietvertrag festzuhalten, welches Tier genau in einer Wohnung gehalten werden darf. Verstirbt das Tier, muss der Mieter mit dem Vermieter erneut verhandeln, ob er sich ein neues Haustier anschaffen darf.

Gefährliche Tiere

Kampfhunde gelten als gefährliche Tiere. Laut ARAG muss deshalb generell die Erlaubnis des Vermieters eingeholt werden – auch, wenn die Haltung von Hunden laut Mietvertrag erlaubt ist. Das- selbe gilt für Gift- oder Riesenschlangen, Skorpione und giftige Spinnen.

Exotische Tiere

Für alle anderen Schlangen, Reptilien oder Spinnen gelten die gleichen Bestimmungen wie für Kleintiere – grundsätzlich sind sie erlaubt. Laut ARAG kann der Vermieter die Haltung nur verbieten, wenn von den Tieren Gefahren, Geruchs- oder Geräuschbelästigungen für andere ausgehen.

Eine artgerechte Haltung ist freilich für alle Haustiere Voraussetzung. „Wir hatten schon einen Fall mit 24 Katzen in einer Wohnung. Die Halterin, eine ältere Dame, konnte die Tiere nicht mehr richtig versorgen“, erzählt Koch. In solchen Fällen schaltet sich nicht nur der Vermieter, sondern auch der Tierschutz ein.

von Manuela Dollinger

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