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Halbleiter aus Haushaltsgeräten: Wie Waschmaschinen Putins Krieg unterstützen

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Von: Bettina Menzel

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Waschmaschinen in der Abteilung Haushaltsgeräte des Elektronikfachhändlers Media Markt im Einkaufszentrum „Mega Mall“ in Belaja Datscha bei Moskau (Archivbild, 2009). © IMAGO / Dean Pictures

Zur Herstellung von Waffen braucht es Halbleiter - die kann Russland aber nicht mehr importieren. Offenbar hat Putin einen Weg gefunden, die Sanktionen des Westens zu umgehen.

Moskau — Russland könnte offenbar einen Weg gefunden haben, die Sanktionen des Westens infolge des Ukraine-Kriegs zu umgehen. Verbündete wie Armenien und Kasachstan importieren plötzlich auffallend viele Haushaltsgeräte aus Europa, fand die US-Nachrichtenagentur Bloomberg heraus. Doch nicht nur das: Die Waschmaschinen und Kühlschränke könnten womöglich den Krieg von Kreml-Chef Wladimir Putin unterstützen.

Wie Waschmaschinen und Kühlschränke Russlands Krieg helfen könnten

Bis zum Beginn des Ukraine-Kriegs und den darauffolgenden Sanktionen des Westens gegen Russland war der Iran das weltweit am stärksten sanktionierte Land. Ob der iranische Präsident Ebrahim Raisi Russlands Machthaber Putin Tipps zum Umgehen von Sanktionen verraten hat, ist nicht bekannt. So oder so hat Moskau nun wohl einen Weg gefunden.

Russland verwendet einem Bloomberg-Bericht vom Samstag zufolge Komponenten aus Haushaltsgeräten - etwa Mikrochips - um Teile militärischer Ausrüstung zu ersetzen. Die direkte Einfuhr vieler Bauteile ist aufgrund der Sanktionen des Westens nicht mehr möglich, also importiert Moskau die Haushaltsgeräte von Nachbarländern oder Verbündeten - etwa Armenien und Kasachstan.

Bei Umgehung der Sanktionen ist Russland auf Nachbarländer und Verbündete angewiesen

Bei der Umgehung der Sanktionen ist Russland auf die Unterstützung anderer Länder angewiesen. So importierte Armenien in den ersten acht Monaten des Jahres 2022 mehr Waschmaschinen aus der Europäischen Union, „als in den vergangenen zwei Jahren zusammen“, hieß es in dem Bericht. Auch elektrische Milchpumpen waren offenbar überdurchschnittlich beliebt, die EU-Exporte verdreifachten sich in der ersten Jahreshälfte gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Kasachstans Nachfrage nach Milchpumpen steigerte sich dem Bloomberg-Bericht zufolge sogar um 633 Prozent im ersten Halbjahr, obwohl die Geburtenrate im Land rückläufig ist. Die Kühlschrank-Importe aus Europa in das Nachbarland Russlands kletterten im Vergleich zum Vorjahr um das Dreifache. Bis August importierte Kasachstan demnach Kühlschränke im Wert von 21,4 Millionen US-Dollar.

Dass die Verbündeten die Produkte nach Russland weiterleiten, liegt nahe: Die russische Nachfrage nach elektrischen Milchpumpen aus Kasachstan verdoppelte sich in den ersten acht Monaten des Jahres im Vergleich zum Jahr 2021, der Export von Kühlschränken von Kasachstan nach Russland verzehnfachte sich. Zudem lieferte das Nachbarland Waschmaschinen im Wert von 7,5 Millionen US-Dollar nach Russland - in den zwei Jahren zuvor lag der Wert indes fast bei null.

Europäische Kommission bestätigt russische Verwendung von Halbleitern aus Kühlschränken

Die Europäische Kommission bestätigte bereits im September, dass Russland Halbleiter aus Haushaltsgeräten für militärische Zwecke verwende. „Das russische Militär nimmt Chips aus Geschirrspülern und Kühlschränken, um seine militärische Hardware zu reparieren, weil es keine Halbleiter mehr gibt“, hieß es in der Mitteilung. „Das ist der Preis für Putins Spur des Todes und der Zerstörung“ gab man sich damals überzeugt, dass die Sanktionen ihre Wirkung zeigen.

Aufgrund der stark gestiegenen Exporte in Russlands Peripherie äußerten mit den Zahlen vertraute europäische Beamte die Befürchtung, „zumindest einige der Waren und ihrer Komponenten könnten ihren Weg in (russische) militärische Zwecke finden.“ Die Sprecherin der Europäischen Kommission, Miriam Garcia Ferrer, teilte gegenüber Bloomberg mit, dass die Kommission die Handelsströme beobachte, um festzustellen, wo Sanktionen gegen Russland umgangen werden könnten.

Es gebe auch eine „forensische Analyse der Trümmer“ russischer Waffen im Ukraine-Krieg. Wo die EU Gegenstände identifizieren könne, die in russischen Waffen verwendet werden, erwäge sie, Handelsbeschränkungen darauf auszudehnen. Teil des letzten Sanktionspakets seien auch eine „Reihe elektronischer Komponenten“ gewesen, so Garcia Ferrer weiter.

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