Milchbauern mit Preis-Entwicklung unzufrieden

Berlin - Die Milchbauern sind mit der jüngsten Entwicklung um den Milchpreis unzufrieden. Sie schlossen am Dienstag neue Protestaktionen nicht aus. "Wir fürchten eine Abwärtsspirale beim Preis", sagt Romuald Schaber vom Bundesverband der Milchviehhalter.

Vor allem von Discounter Aldi, der eine Preiserhöhung für Trinkmilch, nicht aber für Butter und andere Milchprodukte ankündigte, fühle sich der Verband getäuscht. "Wir hatten gehofft, dass die Anfang Mai geschlossenen Milchverträge nochmal neu verhandelt und die Preiserhöhungen auch auf andere Produkte ausgedehnt werden." Schaber schloss neue Boykottaktionen und Demonstrationen nicht aus. "Wir lassen uns nicht aufs Kreuz legen", sagte er.

Der Deutsche Bauernverband sah positive Anzeichen und verlangte, Preiserhöhungen auf breiter Front durchzusetzen. Als Affront wertete der Verband ebenfalls, dass Aldi die Preise für Butter nicht angehoben hat. Der Lebensmitteleinzelhandel und die Molkereiwirtschaft müssten bei den jetzt ohnehin anstehenden Verhandlungen über Käse, Quark und Joghurt gleichwertige Anpassungsschritte vornehmen. Völlig abwegig wäre ein neuerlicher Preiswettbewerb bei Butter noch unten.

Die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd erhöhten ihre Preise für Frischmilch um sieben Cent, wollen aber den Molkereien zehn Cent pro Liter mehr zahlen. Auch Plus erhöhte die Milchpreise um sieben Cent. Der Einzelhändler Edeka, der am Montag die Preise um zehn Cent angehoben hatte, schwenkte am Dienstag auf das Niveau der Discounter ein. Das teilten die Unternehmen am Dienstag mit. Konkurrent Lidl hatte den Preis für Milch am Montag um zehn und für Butter um 30 Cent erhöht.

Der Sprecher des Milchindustrieverbandes, Michael Brandl, sagte: "Für uns stehen die vereinbarten zehn Cent erstmal fest." Er verwies aber auch darauf, dass jede Molkerei mit den Handelsunternehmen eigene Verhandlungen führt. Die Verträge seien Sache jedes einzelnen Betriebes. Zuletzt seien die Kontrakte Anfang Mai geschlossen worden. Sie haben eine Laufzeit von einem halben Jahr.

Die Molkereien erwarten laut bild.de (Dienstag) zufolge, dass Milch wieder günstiger wird. Werner Hahn, Vorstand beim Milchverarbeiter Ehrmann, sagte: "Durch den Streik der Milchbauern ist derzeit irre viel Milch da, es gibt mindestens zwei Tageslieferungen mehr als sonst." Sollte das Milch-Angebot hoch bleiben, seien "höhere Preise dauerhaft nicht möglich".

Auch bei Deutschlands größter Molkerei Nordmilch sei die Skepsis hoch, so der Bericht. "Der Milchpreis kann nicht einfach festgelegt werden, sondern muss sich am Markt bilden", sagte Nordmilch-Vorstand Martin Mischel zu bild.de. "Wenn nun einige Discounter den Preis für Milch erhöhen, heißt das noch lange nicht, dass sie dauerhaft überall teurer wird." Die Bauern würden künftig aber in jedem Fall mehr Geld je Liter bekommen als bisher.

Der Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Roland Döhrn, rechnet nicht mit langfristig höheren Milchpreisen. Zu bild.de (Dienstag) sagte er: "Es ist zu erwarten, dass der Preis schnell wieder bröckelt. Der Milchpreis ist ein sogenannter Signalpreis - da ist der Wettbewerb und damit der Preisdruck unter den Handelsketten besonders hoch."

"Der deutsche Milchpreis kann sich vom Weltmarkt nicht entkoppeln und dort steigen die Preise derzeit", sagte der Essener Wirtschaftswissenschaftler und Professor für Mikroökonomik, Erwin Amann, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Vor allem in Asien sei die Nachfrage nach Milchprodukten seit etwa ein bis zwei Jahren gestiegen, nicht zuletzt aufgrund der neu entdeckten Vorliebe chinesischer Verbraucher für süße Tafeln und Pralinen.

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) will angesichts der Verärgerung der Milchbauern alle Beteiligten möglichst bald an einen Tisch holen. In der kommenden Woche sei ein erstes Treffen geplant, hieß es aus Regierungskreisen.

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